An die Opfer

Ich richte mich jetzt an zwei Personengruppen:

  1. An diejenigen, die sich wirklich und tatsächlich an einen satanischen Missbrauch erinnern. Ich meine nicht all die Betroffenen, die die satanischen Mord- und Programmierungs-Praktiken in Büchern von Huber, Miller und Breitenbach verschlingen und sich dort hinein steigern, sondern die, die lebhafte, qualvolle, Flashback-erzeugende Erinnerungen an einen satanischen Missbrauch haben.
  2. An diejenigen, die allgemein Missbrauch und Gewalt erlebt haben und nun befürchten, an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Zur ersten Opfergruppierung, die ich auf dieser Seite erreichen möchte:

Ich habe einige besorgte Kommentare in den letzten Wochen gelesen. Unter anderem ging es in einem Kommentar darum, dass ein Opfer berichtete, ihre Therapeutin sei nicht mehr da. Sie beschrieb nun ihre Angst, in die Trauma-Ambulanz zu gehen und sich einen neuen Therapeuten zuschreiben zu lassen, da sie befürchtet, man würde ihr den satanischen Missbrauch nicht mehr glauben.

Meine Antwort:

Es ist wichtig, genau DAS in der Trauma-Ambulanz in einem Zweiergespräch zu vermitteln. Kein Therapeut würde je sagen, es sei eine Verschwörung. Dem Therapeuten ist es, wenn er seriös ist, erst einmal völlig egal, wie wahr und real die Erlebnisse sind, die der Patient schildert. Zuerst einmal geht es einzig darum, den Patienten in seinem Leidensdruck zu erfahren.

Ich habe in den Jahren leider (!) gesehen, dass in den DIS-Gruppen immer nur empfohlen wird, sich einen Therapeuten zu suchen, der an rituellen-satanischen Missbrauch inklusive Programmierung glaubt.
Was ist nun – bitte stellt es euch nur mal vor – wenn an der These der Suggestion auch nur ein Funken Wahrheit ist?
Ist wirklich kein Opfer daran interessiert, das in Erfahrung zu bringen?

Wie wäre es, sich einen Therapeuten zu suchen, dem es einzig nur darum geht, das Leiden der Patienten zu minimieren? Kein Therapeut wird je versuchen, aufzudecken, ob der Missbrauch, den man beschreibt, 1:1 statt gefunden hat. Es geht darum, den Patienten moderat (nicht suggestiv, sondern moderat) zu begleiten, um sonst nichts.

Es ist völlig egal, was ihr in eurer Therapie heraus findet oder an Erinnerungen preis gebt, solange euch der Therapeut bzw. die Therapeutin nicht versucht in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wichtig ist, dass ihr durch die Therapie einen Weg findet, ein lebenswertes Leben zu führen.

Darum mein Rat einfach nur offen und ehrlich zu sein. Es geht um EUCH ganz alleine. Um euer Leben, um euer Seelenheil, um eure Gesundheit. Ihr müsst keinem gefallen, keinem zu Mund reden, keinen beeindrucken, auch den Therapeuten nicht. Holt einfach nur das Maximale aus dem Gesundheitssystem heraus, um euch irgendwann endlich frei fühlen zu können.

Ich kann euch versichern: Das ist möglich!

Nun zu der zweiten Gruppierung:

Ich lese die Bedenken sehr oft: Wenn man den satanischen Missbrauch in einem nationalen und/oder internationalen Kult als Verschwörung bezeichnet, beteiligt man sich dann nicht daran, dass Missbrauchsopfer generell unglaubwürdig werden?

Meine Antwort:

Nein…
Die Gefahr besteht definitiv nicht. Ganz im Gegenteil.
Genau das ist ja der Grund, wieso wir das hier tun. Nicht nur, dass die Krankheit Dissoziative Identitätsstörung immer unglaubwürdiger wird, sondern auch die Tatsache, dass wir tatsächlich Gewalt und Missbrauch erfahren haben.
Wer soll denn Betroffenen noch glauben, wenn (Snuff-) Traumata beschrieben werden, die bewiesenermaßen rein medizinisch überhaupt nicht möglich sein können? Und da geht es nicht um Kleinigkeiten, sondern um stereotypische Trauma-Pakete, die sich nicht einmal Sebastian Fitzek oder Jonathan Nasaw einfallen lassen, weil die Autoren im Genre Psychotriller versuchen, nahe an den medizinischen Fakten zu bleiben.

Nicht nur die Fachwelt kommt da ins Straucheln, sondern insgesamt die ganze Gesellschaft.

Ich komme aus der ehemaligen DDR (Jahrgang 67).
Die DDR hat versucht, nach außen hin sauber aufzutreten, darum wurde der sexuelle Missbrauch dort bis kurz vor der Wende 1989 (und sogar noch lange Zeit danach) vertuscht und totgeschwiegen. Die Täter wurden tatsächlich in den meisten Fällen geschützt. Siehe:
Sexueller Missbrauch in der DDR

Es war für die ehemaligen DDR Bürger, die zugleich Opfer des sexuellen Missbrauchs waren, enorm schwer, nach der Wende eine Sprache zu finden. Ich weiß, wovon ich rede.
Wir haben im Bereich des sexuellen Missbrauchs und der Gewalt bereits sehr viel erreicht. Es ist noch verdammt viel Luft nach oben, aber wir sind auf einem guten Weg.

Oder sollte ich sagen: Wie waren auf einem guten Weg?

Ich beobachte einen Rückschritt. Gerade auch, weil ich aus der DDR stamme, bin ich sehr sensibilisiert für solche Abläufe. Ich war kurz davor, in einen Jugendwerkhof zu kommen, als ich als Jugendliche zaghaft versuchte, den Mund aufzumachen …
Unterstützt wurde mein Peiniger durch die Jugendhilfe der DDR.
Man darf mir glauben, ich habe einen sehr starken Sender und ich registriere einen leichten Rückschritt.
All die Jahre ging es darum, die Menschen zu sensibilisieren.
Jetzt aber findet auf Grund der inflationären Berichterstattungen über »blutrünstige Orgien« eine Desensibilisierung statt. Nicht nur, dass man es bald nicht mehr hören kann und genervt die Augen verdreht, auch verlieren Missbrauchsopfer erneut an Glaubwürdigkeit.

Am Ende noch ein paar Worte zu dem, was ich bereits erwähnte:

Ich meine nicht all die Betroffenen, die die detaillierten, satanischen Mord- und Programmierungs-Praktiken in Bücher von Huber, Miller und Breitenbach verschlingen und sich dort hinein steigern …

Es ist von den besagten Buch-Autoren, die ihre Literatur nicht nur der Fachwelt, sondern auch den Betroffenen anbieten, unverantwortlich, so etwas zu verbreiten. Es gibt auf der Welt so extrem viele Nachahmungstäter, und hier werden den Sexualstraftätern buchstäblich Rezepte in die Hand gedrückt, die im besten Fall Kinder in den Irrsinn treiben, sehr wahrscheinlich aber zum Tod führen.

Was für einen Mehrwert hat es für Opfer, Bücher zu lesen, in denen sogenannte Experten oder Therapeuten beschreiben, wie ein Kind abgerichtet wird? Warum bietet man den Opfern solche Snuff-Beschreibungen an? Gehen wir mal davon aus, sie haben einen rituellen Missbrauch erlebt, dann werden sie doch bei derartig detaillierten Beschreibungen buchstäblich retraumatisiert.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Interesse der Autoren liegt. Bleibt also die Frage, wieso die Opfer zur Kauf-Zielgruppe gehören?

Und in dem Zusammenhang sei auch noch ein Wort an jene gerichtet, die mit entsprechenden Snuff-Beschreibungen Schaulaufen im Internet veranstalten. Vor allem auf Instagram. Ich bezeichne euch weder als dissoziativ noch als Opfer und ich werde euch auch nicht als Fakes betiteln. Ja, ich habe meine Zweifel, aber ich möchte nichts unterstellen.

Wie geht es euch dabei, eure blutrünstigen Horror-Psycho-Snuff-Beschreibungen einem Publikum anzubieten, was in erster Linie schwer traumatisiert ist? Ich weiß, die meisten von euch haben kommerzielle Interessen. Da werden Spenden erbettelt und Bücher vermarktet. Das steht euch natürlich frei. Aber der Mangel an Empathie, den ihr an den Tag legt, ist wirklich grotesk.

Ich kann nur hoffen, dass ihr bald als das entlarvt werdet, was ihr seid!

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