Transparenz Teil II

Zweiter Teil

Fehlende Transparenz – Das Verschwinden professioneller Grenzen

Autorin: Marvel Stella

Martin Sack | Ulrich Sachsse | Julia Schellong
Komplexe Traumafolgestörungen
Diagnostik und Behandlung von Folgen schwerer Gewalt und Vernachlässigung
Neuauflage Juli 2022

Das Fachbuch mit dem Titel : »Komplexe Traumafolgestörungen« ist eine Neuauflage. Die erste Auflage stammt aus dem Jahre 2013. Die zweite aktualisierte und ergänzte Neuauflage, die im Juli 2022 erschienen ist, weist knapp 200 Seiten mehr auf.

Im Gegenzug zur Erstauflage aus 2013 haben in die aktualisierte Neuauflage Autor:innen Eingang gefunden, die nicht transparent in Erscheinung treten. Es ist nirgendwo ersichtlich, dass in dem Fachbuch Betroffene mitwirken, die aktuell an einer Dissoziativen Identitätsstörung leiden und die der Überzeugung anhängen, satanisch-rituell missbraucht worden zu sein. Konkret beziehe ich mich hier auf Hjördis E. Wirth, die im Lichtstrahlen-Forum unter dem Nickname Pumuckel und Co administriert.

Hjördis E. Wirth wirkte bereits mehrere Jahre aktiv als ständiger Gast im Betroffenenrat der UBSKM mit. → Mitglieder Betroffenenrat, Stand 2018

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn eine partizipative Entwicklung erfolgt. Insofern empfinde ich es auch als Fortschritt, wenn sich im Betroffenenrat der UBSKM tatsächlich ehemalige Missbrauchs- und Gewalterfahrene beratend einbringen.

Nur habe ich allmählich den Eindruck, es fehlt an Supervisionen, um die professionelle Distanz und Objektivität auf Seiten der Experten zu gewährleisten. (?) Wir haben es hier immerhin – scheinbar oder gar offensichtlich – mit aktuell psychisch kranken Menschen zu tun, deren subjektive Realität und Wirklichkeit sehr stark vom Krankheitsbild abhängig sind und somit überlagert werden können.

Man mag mir den leicht ironischen Unterton vergeben, aber ich bekomme tatsächlich kognitive Probleme bei der Vorstellung, dass jemand, der im Gremium des Betroffenenrats Einfluss auf den politischen Diskurs nimmt, ja und jetzt sogar in einem Fachbuch mitwirkt, …

… dass dieser Jemand offen und ungeniert als Pumuckel und Co im Internet Aufklärung betreibt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, sehr geehrte UBSKM, sehr geehrter Betroffenenrat, sehr geehrte Fachexperten Martin Sack, Ulrich Sachsse, Julia Schellong,…. von mir aus kann Frau Hjördis E. Wirth auch als Pippi Langstrumpf auftreten und den politischen Diskurs ganz nach dem Motto gestalten:

Zwei mal drei macht vier
Widdewiddewitt
und drei macht deune !!
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde

wie sie mir gefällt ….

… aber mir ist unwohl bei der Vorstellung, dass sich diese Betroffene:n für meine und für die Belange vieler Millionen traumatisierter und schwertraumatisierter Menschen einsetzen!

Natürlich können sie als Gremium die UBSKM beraten, natürlich können sie auch als Gewalterfahrene, als Opfer und als aktuell Betroffene einer Dissoziativen Identitätsstörung in einem Fachbuch mitwirken. Aber dann bitte transparent! Wenn diese Transparenz fehlt, dann sehe ich darin keinen Patzer, der ja mal passieren kann, sondern eine ganz bewusste Verschleierung. Und genau in dem Moment ist für mich die Professionalität nicht mehr gegeben!

Das gilt ebenso für Alex Stern, der noch immer im Betroffenenrat und nun auch zusätzlich in einem Fachbuch mitwirkt. Ein Fachbuch, was bald schon viele Menschen erwerben, um die Inhalte im Unterricht oder zu Studienzwecken zu verinnerlichen.

Seine Master-Arbeit wurde – wie ich bereits auf der Seite »Offener Brief an die UBSKM« schrieb – zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (M.A.) im Fach Erziehungswissenschaft verfasst. Inhalte der Arbeit sind unter anderem rituelle Gewalterfahrungen von Erwachsenen.

An dieser Stelle möchte ich ein Zitat posten, was einer Seite entstammt, auf der der Betroffenenrat vorgestellt wird:

Der Betroffenenrat ist ein ehrenamtlich tätiges Gremium, das die UBSKM und ihren Arbeitsstab strukturiert und kontinuierlich berät. Die Mitglieder setzen sich für die Belange Betroffener sexualisierter Gewalt ein und geben dem Thema ein Gesicht und eine Stimme. Sie tragen die Anliegen der Betroffenen in den politischen Diskurs und in die Öffentlichkeit.

Quelle: Was ist der Betroffenenrat

Das entspricht so nicht der Wahrheit. Es wäre wünschenswert, wenn jede:r (s)ein Gesicht zeigt! Das tut aber ein Einzelner nicht, insofern kann keine Rede davon sein, dass die Mitglieder dem Thema sexuelle Gewalt ein Gesicht geben. Denn Alex Stern ist nirgendwo zu sehen. Auf der Seite des Betroffenenrats wird er von hinten mit einem Kapuzen-T-Shirt dargestellt.

Ich kann es durchaus verstehen, wenn Betroffene ihre Anonymität wahren müssen, weil sie sich ggf. durch Täter:innen gefährdet sehen. Sollte dies aber der Fall sein, dann können sie nicht im Betroffenenrat der UBSKM vertreten sein. Unzählige Menschen, die durch diesen Rat vertreten werden, möchten wissen, wen sie vor sich haben. Für die Millionen Opfer dieses Landes ist der Betroffenenrat, so auch die UBSKM, nicht nur persönlich, sondern auch politisch relevant, weil es u.a. um politische Entscheidungen geht!

Um Sie, sehr geehrte UBSKM, sehr geehrter Betroffenenrat, sehr geehrte Fachexpert:innen Martin Sack, Ulrich Sachsse, Julia Schellong, ganz konkret zu fragen:
Hätten Sie das Bedürfnis – nur um einen winzigen Vergleich anzubieten – von einer Partei regiert zu werden, deren Mitglieder im Internet „Pumuckel und Co“ heißen, die aktuell an einer DIS leiden oder die Sie nur im Kapuzen-T-Shirt von hinten zu Gesicht bekommen?

Ich will Ihnen sagen, was das hier mit mir macht. Nämlich genau DAS.

Sie haben Macht und mich ganz persönlich betrifft Ihre Macht!

Ihr beratender und unsichtbarer Alex Stern befasst sich laut eigenen Angaben seit Jahren mit Themen wie Verantwortung und Macht, mit Macht-Institutionen, mit Machtmissbrauch, mit der Versorgungsmacht und damit, was diese Macht mit denen, die der Macht untergeordnet sind, macht.

Ich denke, darum muss ich Ihnen jetzt gar nicht erklären, warum es mich – als Betroffene einer Traumafolgestörung mit einer DIS – zunehmend verunsichert, wenn ich wahrnehme, dass

  • a) Sie auf wesentliche Teile der Transparenz (bewusst?) verzichten und
  • b) professionelle Grenzen scheinbar zunehmend verschwinden.

Am Ende des zweiten Teiles möchte ich ein Zitat einbringen, was nicht unbedingt mit dem Thema dieser Seite zusammenhängt. Es ist mir jedoch ein Bedürfnis, mich mit diesem Zitat aus der Neuauflage: »Komplexe Traumafolgestörungen« direkt an Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse zu richten:

„Die kontinuierliche Neuschöpfung von Konzepten und Theorien ist geboten, solange sich ein Konstrukt nicht langfristig als besonders aussagefähig und ausreichend heraus gestellt hat.
Depression ist ein solches Konzept. Doch halt – heute heißt es Burn-Out. Burn Out darf man haben, Depressionen nicht. Auch hier. Neue Konzepte! Ein Entwicklungsanreiz für neue Konzepte besteht darin, dass das alte inzwischen zu kränkend , zu abwertend konnotiert ist.
Hysterie etwa geht gar nicht mehr!“
Martin Sack | Ulrich Sachsse | Julia Schellong: Komplexe Traumafolgestörungen, Einleitung, S. 19

Legen Sie die Hysterie nicht ganz zur Seite. Manchmal macht es Sinn, die Hysterie noch mal von allen Seiten – und vor allem überaus neutral und objektiv, also ohne jede Wertung – anzuschauen. Es kann nämlich sein, dass Sie dabei sehr viel mehr entdecken, als das, was ganz viele Trauma-Experten in ihren einheitlichen Büchern – eins wie das andere – publizieren!

…Und…

Manchmal sorgen Neuschöpfungen von Konzepten auch dafür, dass die tatsächlich Betroffenen von den Menschen überschwemmt werden, die die neuen Konstrukte chic finden und/oder die sich damit überhöhen können. Burnout, was ja »auf einen ganz fleißigen Menschen« schließen lässt, der dahinter steht, ist nur ein Beispiel von vielen!

Zum Weiterlesen:

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