Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.

Forschungsbericht zum McMartin-Fall und SP-Lexikon
Der Themenbereich Satanic Panic, rituelle Gewalt und die historischen Hintergründe entsprechender Narrative wurde auf dieser Website in den vergangenen Monaten erheblich erweitert. Neu hinzugekommen sind zwei größere Angebote, die unterschiedliche Zugänge zum Thema ermöglichen: ein ausführlicher Forschungsbericht zum McMartin-Preschool-Fall sowie ein bereits umfangreiches und weiter wachsendes Satanic-Panic-Lexikon.
Der McMartin-Preschool-Fall – eine ausführliche Rekonstruktion
Mit dem neu veröffentlichten Forschungsbericht steht eine umfangreiche historische, juristische und wissenschaftliche Rekonstruktion eines der bekanntesten Fälle der Satanic Panic zur Verfügung.
Der McMartin-Preschool-Fall begann 1983 in Kalifornien mit der Beschuldigung, ein Kind sei in einer Vorschule sexuell missbraucht worden. Daraus entwickelte sich eine jahrelange Untersuchung, in deren Verlauf Hunderte Kinder befragt, sieben Erwachsene angeklagt und zunehmend außergewöhnliche Vorwürfe erhoben wurden. Am Ende der Strafverfahren stand keine einzige Verurteilung.
Der Forschungsbericht beschränkt sich jedoch nicht auf eine Nacherzählung des Falls. Untersucht werden unter anderem die Entstehung und zeitliche Entwicklung der Anschuldigungen, die Befragungen der Kinder, die damaligen medizinischen Befunde, die Behauptungen über unterirdische Räume und Tunnel, die verschiedenen Strafverfahren sowie die Rolle der Medien und die spätere Einordnung McMartins in die Geschichte der Satanic Panic.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die wissenschaftliche Forschung zur Suggestibilität und Erinnerungsbildung bei Kindern. Dabei wird auch Forschung berücksichtigt, die originale McMartin-Interviewtranskripte untersucht hat. Die Analyse zeigt erhebliche methodische Probleme bei einem dokumentierten Teil der damaligen Befragungen.
Das Satanic-Panic-Lexikon wächst
Gleichzeitig ist ein Satanic-Panic-Lexikon entstanden.
Das Lexikon soll Begriffe, Personen, historische Fälle, psychologische Konzepte und wiederkehrende Vorstellungen erschließen, die im Umfeld der Satanic Panic sowie der späteren Debatten um rituelle Gewalt und Mind Control eine Rolle spielen.
Das Lexikon ist kein abgeschlossenes Projekt. Bereits jetzt umfasst es eine größere Zahl von Einträgen; weitere Begriffe und Ergänzungen werden nach und nach hinzukommen. Damit soll langfristig ein Nachschlagewerk entstehen, das nicht nur Definitionen liefert, sondern auch sichtbar macht, wie bestimmte Vorstellungen entstanden sind, sich verändert haben und über Jahrzehnte weitergetragen wurden.
Forschungsbericht und Lexikon ergänzen sich dabei bewusst: Das Lexikon erschließt das Vokabular und die größeren historischen Zusammenhänge – der McMartin-Bericht zeigt an einem einzelnen Fall in außergewöhnlicher Detailtiefe, wie komplex die Rekonstruktion tatsächlich wird, sobald Behauptung, Erinnerung, Beweis, Interpretation und historische Überlieferung voneinander getrennt werden.
Beide Bereiche sind ab sofort auf der Website verfügbar und werden – insbesondere das Lexikon – weiter ergänzt.
Ergänzend: „Unter Anklage – Der Fall McMartin“ (1995)
Wer sich nach dem Forschungsbericht noch intensiver mit dem McMartin-Fall beschäftigen möchte, dem sei der Film „Unter Anklage – Der Fall McMartin“ (1995) empfohlen.
Der Film schildert den Fall bemerkenswert realistisch und verzichtet weitgehend darauf, die ohnehin dramatischen Ereignisse durch zusätzliche Effekte künstlich zuzuspitzen. Gerade deshalb ist er eine interessante Ergänzung zur sachlichen und wissenschaftlichen Rekonstruktion.
Denn es macht einen Unterschied, einen historischen Ablauf zu lesen – oder ihn in einer filmischen Darstellung vor Augen geführt zu bekommen. Besonders eindrücklich wird dabei die Dynamik der entstehenden Massenhysterie: wie aus einem zunächst einzelnen Verdacht immer weitere Anschuldigungen entstehen, wie Eltern, Ermittler, Befragungen und öffentliche Aufmerksamkeit aufeinander einwirken und wie sich eine Entwicklung zunehmend verselbstständigt.
Der Film ersetzt selbstverständlich keine historische oder wissenschaftliche Quelle. Er kann jedoch etwas vermitteln, das ein Forschungsbericht naturgemäß nur beschreiben kann: wie eine solche gesellschaftliche Dynamik für die unmittelbar Beteiligten ausgesehen und sich angefühlt haben könnte.
Wer zuvor den Forschungsbericht gelesen hat, wird vermutlich zahlreiche Situationen, Konflikte und entscheidende Wendepunkte wiedererkennen – und manches anschließend noch einmal mit anderen Augen betrachten.

