Zurück zur Leichtgäubigkeit

Die Tage las ich über den McMartin Vorschulprozess in den 90er Jahren in Kalifornien:

In The Devil in The Nursery fasste Margaret Talbot für die New York Times den Fall zusammen:

Wenn Sie einmal an etwas geglaubt haben, das Ihnen jetzt als absurd erscheint, sogar als aus den Fugen geraten, kann es fast unmöglich sein, dieses Gefühl der Leichtgläubigkeit wieder aufzubringen. Vielleicht ist es deshalb für die meisten von uns einfacher, die Angst vor satanischem Missbrauch, die dieses Land in den frühen 80er Jahren erfasste, zu vergessen, anstatt zu versuchen, sie zu erklären – den Mythos, dass Teufelsanbeter sich in unserer Zeit niedergelassen hatten. Pflegezentren, wo ihre cleveren Adepten Kinder vergewaltigten und sodomisierten, rituelle Opfer praktizierten, ihre Kleidung ablegten, Blut tranken und Fäkalien aßen, alles unbemerkt von Eltern, Nachbarn und Behörden. [5]

Quelle: Wikipedia – McMartin Vorschlusprozess

Ich glaube, was mich am meisten schmerzt, ist die Tatsache, meinen bedingungslosen und auf Vertrauensvorschuss basierenden Glauben an den Opferschutz verloren zu haben. Es tat so gut, an etwas Elementares zu glauben, was in den Grundfesten funktioniert. Und nun erwische ich mich dabei, »Skepsis und UBSKM« in Google einzugeben, um zu erfahren, wer noch – außer mir – die enge Vernetzung zu den Satanic-Panic Anhängern hinterfragt.

Das ist doch grotesk! Gebe ich diese Worte in Google ein, fühle ich mich tatsächlich wie ein Deppen-Verschwörer, der Beweise dafür sucht, dass die Regierung uns betrügt. Und was sehe ich dann? Eine Aufstellung im Betroffenenrat von 2018, die jedes Statement über den rituellen Missbrauch in einem irrrational subjektiven Licht erscheinen lässt.

Ursprünglich wollte ich mich – wie es auf der Seite rituell satanisch erwähnt wurde – an den Betroffenenrat wenden, um sie darüber zu informieren, dass da ein Missverständnis vorliegt. Ich wollte sie wissen lassen, dass die im Statement 2018 angesprochene rituelle Gewalt niemals Teil der Kritik war. Das ist jetzt genau 22 Tage her. Zu diesem Zeitpunkt habe ich tatsächlich noch gedacht, dass der UBSKM-Betroffenenrat objektiv ist.

Und dann fing ich an zu recherchieren, bis ich am 25.08.2022 meinen offenen Brief schrieb.

Heute haben wir den 30.08.2022… Es ist so derart surreal, dass ich wünschte, ich würde aufwachen und es wären alles nur Hirngespinste gewesen.

Wenn ich nicht zwischenzeitlich auf einen Facebook-Kommentar gestoßen wäre, der belegt, dass die Kriminalpsychologin Lydia Benecke bereits vor 3 Jahren (!) dieselben Rechercheergebnisse hatte wie ich, würde ich meinen offenen Brief an den Betroffenenrat vielleicht sogar zurück ziehen.

Hier ein (etwas längeres) Zitat von Frau Benecke:

Keineswegs sind die von Ihnen genannten Quellen unabhängig! Man muss sich nur die personelle Zusammensetzung bei den „Werkstattgesprächen Sexueller Kindesmissbrauch in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen“ anschauen – all die genannten Quellen gehen auf die Zusammenarbeit der immer gleichen Interessenvertreter zurück: Sexueller Kindesmissbrauch in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen

Es ist leicht nachweisbar, dass diese Quellen eng vernetzt sind und sich gerne gegenseitig zitieren. Diese Quellen demonstrieren lediglich die sehr erfolgreiche Lobbyarbeit der Vertreter der deutschen „Satanic Panic“, ohne bei konkreter, sachlicher Prüfung eben irgendwelche handfesten Belege für die umfassenden und gravierenden Annahmen und Behauptungen, welche diese vertreten, zu liefern. Fehlende Belege werden hier stets mit extrem selektiver Wahrnehmung der umfassenden, internationalen Erkenntnislage (ein Überblick findet sich hier: Wikipedia Satanic Panic) und einer guten Portion emotionaler Manipulation („Wollen Sie etwa sagen, die Opfer lügen, Sie Täterschützer?“) sowie Ablenkung vom eigentlichen Thema („Wollen Sie etwa sagen, Menschen wären zu sowas nicht in der Lage? Wollen Sie etwa sagen, es gäbe keinen Missbrauch in der katholischen Kirche?“ usw.) kaschiert.

Quelle: Facebook-Kommentar in dem eröffneten Thread von Hoaxilla

(Den interessanten Rest des Facebook-Kommentars werde ich unten als Abschluss zitieren).

Warum würde ich meinen offenen Brief löschen, wenn ich diese Zeilen von Frau Benecke nicht entdeckt hätte?

Weil es schwer ist, seine eigenen Grundfesten in einem solchen Ausmaß zu hinterfragen. Es ist erst wenige Monate her, wo ich aufhörte, an die Seriosität der staatlich anerkannten Psychotherapeuten zu glauben → womit gleichzeitig mein Glaube an die unerschütterliche Heiligkeit meiner Psychotherapie-Familie zerbrach!

Die Erkenntnisse kommen in einem Tempo, mit dem man sich selbst überholt. Und ich stecke (noch) irgendwo in der Schleife, in der mir der Blick aller, die zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert werden, vertraut ist. Ich weiß sehr genau, wie sehr man sich an den Kopf fassen wird, wenn man mich liest. Ich weiß, wie angewidert man sein wird, wie unfassbar es ist, was ich schreibe…

JEDER, der damit zum ersten Mal konfrontiert wird, ist definitiv schockiert. Nicht darüber, wie die Verschwörung funktioniert, sondern dass wir Opfern nicht (immer) bedingungslos glauben. Und warum ist man schockiert? Nicht, weil die Inhalte der Verschwörung so plausibel sind. Im Gegenteil, sie sind in vielerlei Hinsicht identisch mit der QAnon Verschwörung, bei der jeder vernünftige Mensch weiß, wie hirnrissig der Glaube ist. Das, was diese satanische Panic von QAnon unterscheidet, ist die Zusammensetzung der Vernetzung.

Während man bei QAnon sagen kann: »Es sind ja vorwiegend nur rechte Gruppierungen, die der Verschwörung anhängen«, so findet man bei der Satanic Panic einen ganz anderen vernetzten Kreis. Einen glaubwürdigeren… einen unantastbaren. Man findet einen vernetzten Kreis, der Auszeichnungen, Preise und Bundesverdienstkreuze bekommt, anders als die Rechten, bei denen man getrost abwinken kann.

Wundert es, dass einem die Realität in Anbetracht dessen realitätsfern erscheint?

Hier die restlichen Kommentarabsätze von Lydia Benecke:

Die Forschungsarbeit von Peer Briken (den ich in anderen Kontexten durchaus schätze) zum Thema belegt eben bei nüchterner Betrachtung nicht das, was daraus gemacht wird. Sie ist erschreckend leicht angreifbar und mir ist bis heute ein Rätsel, wie er seinen Namen dafür hergeben konnte.
Wie offenkundig schräg diese Forschungsarbeit aufgebaut ist, habe ich bereits mehrfach in anderen Diskussionen aufgezeigt:

Auf der Seite der Befürworter der Annahme vom kriminell weitreichend organisierten Satanismus stehen als „Belege“ nur subjektive Berichte, die **entgegen aller fundierten wissenschaftlichen und polizeilichen Erkenntnisse zur Thematik, die international über Jahrzehnte zusammengetragen wurden**, stehen.

Die von Peer Briken veröffentlichte Untersuchung war eine anonyme Onlineumfrage, in der Personen sich als Therapeuten oder Opfer im Kontext „organisierter ritueller Gewalt“ einordnen und von Erlebnissen sowie Symptomen berichten sollten.
WICHTIG:
Es gibt keinerlei Ermittlungsergebnisse, die auch *nur einen* der Fälle von scheinbar satanischem, rituellen Missbrauch, welcher in der Studie mehrfach genannt wurde, belegen.
Nicht ein einziger Fall! Obgleich *gravierendste Straftaten* mit teils sehr vielen Opfern über Jahrzehnte berichtet werden!

Letztendlich wird das dann stets damit begründet, dass halt die große Satanssekte viel Einfluss in Politik und Ermittlungsbehörden hätte – was wiederum eine typische Verschwörungsmythoslogik ist.

In einer Zeit, in der selbst die Katholische Kirche nicht ihre Missbrauchsfälle vertuschen kann, soll das einer großen, geheimen Satanssekte möglich sein, deren Existenz bis heute nicht belegt werden konnte – im Gegensatz zur Existenz der Katholischen Kirche oder auch der vielen Sekten, die es eben gibt. Deren Existenz lässt sich stets belegen! Nur die große, internationale, seit Generationen agierende Satanssekte (von der die „Experten“ wie Michaela Huber und Brigitte Hahn gern ausgehen), die bleibt halt nicht aufdeckbar.

Auch dies wird dann stets letztendlich damit begründet, dass halt die große Satanssekte viel Einfluss in Politik und Ermittlungsbehörden hätte – was wiederum eine typische Verschwörungsmythoslogik ist.
Um das offenkundige Problem des Wertes der Daten von Peer Briken sowie ihrer Interpretation mit einem Vergleich aus dem Bereich der klinischen Psychologie und Psychiatrie zu illustrieren:
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Wenn man im psychiatrischen Bereich tätigen Therapeuten bei einer Befragung diese Frage stellen würde, bekäme man viele bejahende Antworten:
„Hatten Sie schon mit Klienten zu tun, die angaben, durch Geheimorganisationen (wahlweise die von Freimaurern und / oder Illuminaten kontrollierten Regierungen und / oder die Außerirdischen) entführt, mit Strahlen und Giften körperlich geschädigt und überwacht worden zu sein?“
Wenn also viele Patienten unabhängig voneinander dieselben Erlebnisse sogar mit denselben Hintergründen beschreiben, dann muss dies wohl ein Beweis dafür sein, dass ihr Erleben automatisch genauso mit der Realität übereinstimmt? Schließlich sind emotional geschilderte Berichte schwerer in der Beurteilung eines Sachverhalts zu gewichten als alle anderen wissenschaftlich und ermittlungstechnisch prüfbare Fakten – oder?
Folgt man dieser Argumentationslinie in diesem Fall, so muss man wohl zu der Schlussfolgerung gelangen:
Diese Organisationen (die von Freimaurern und / oder Illuminaten kontrollierten Regierungen und / oder die Außerirdischen – von denen davon auszugehen ist, aufgrund der erstaunlich ähnlichen Schilderungen vieler Betroffener weltweit, dass sie offensichtlich alle unter einer Decke stecken) brechen immer wieder unentdeckt in Wohnungen ein, entführen Betroffene (teilweise sogar auf Raumschiffe im Weltall) und missbrauchen sie manchmal auch sexuell.
Das muss einfach wahr sein, denn neben den eindrücklichen und zahlreichen, erstaunlich ähnlichen Opferberichten wird ja auch Aufklärung zu diesem Thema von Experten betrieben: Mind Control News
Siehe auch diese wichtigen und dem Anschein nach doch wissenschaftlich fundierten Konferenzen:
Konferenz zur verdeckten Belästigung
Zersetzungstechniken und Mindcontrol
→ drittes verlinkte Video nicht mehr verfügbar

Umfassendes, sicherlich gut recherchiertes und völlig schlüssiges Material zu diesem wichtigen Thema wird u.A. von Harald Brems veröffentlicht, siehe seine sehr informative Webpräsenz: https://e-waffen.de
Auch seriöse Wissenschaftler setzen sich für Aufklärung in diesem Gebiet ein: Rauni-Leena Luukanen-Kilde

Beinahe unglaublich erscheint es da, dass es auch Leugner dieser – wie man u.a. der Argumentation in den oberen Links entnehmen kann – umfangreich belegten Machenschaften der von Außerirdischen gesteuerten Geheimbünde und somit auch Regierungen gibt.
So haben die vielen Zeugen weltweit immer wieder mit der in ihrem Fall – wenn man dieser Argumentationslinie weiter folgen möchte – offenbar falschen Diagnose „Paranoide Schizophrenie“ zu tun. Eine Diganose, die – wenn man der Theorie folgt – vermutlich mithilfe der außerirdisch gesteuerten Geheimbünde entwickelt wurde, um unliebsame Zeugen zum Schweigen zu bringen.

Zum Glück gibt es wissenschaftlich fundiert erscheinende Anweisungen, wie auch Therapeuten richtig mit dem Thema umgehen können, hier: Hinweise für Therapeuten: Stimmen hören kann auf ein Mind Control-Vergehen hinweisen
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Vielleicht hilft dieser Argumentations-Vergleich ja, die mehr als fragwürdigen Prinzipien in der Argumentationslinie und Forschung der Befürworter des „systematischen rituellen Missbrauchs durch satanistische Sekten“ zu verdeutlichen.
Quelle: Facebook-Kommentar in dem eröffneten Thread von Hoaxilla

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