Suggestive Befragung

Als suggestive Befragung wird eine Befragung bezeichnet, bei der Fragen, Reaktionen oder andere Einflüsse des Befragenden die Antworten einer Person in eine bestimmte Richtung lenken können. Besonders bedeutsam ist dies bei Zeugenaussagen und der Befragung von Kindern.

Suggestiv können beispielsweise Fragen sein, die eine bestimmte Antwort bereits voraussetzen („Was hat er mit dir gemacht?“), Informationen enthalten, die die befragte Person zuvor nicht genannt hat, oder wiederholt gestellt werden, obwohl eine Frage bereits verneint wurde. Auch Lob für erwartete Antworten, Kritik oder Zweifel an unerwünschten Antworten und die Vermittlung, andere Personen hätten ein bestimmtes Ereignis bereits bestätigt, können die Aussage beeinflussen.

Das Problem besteht nicht nur darin, dass eine Person schließlich eine gewünschte Antwort geben könnte. Informationen aus einer Befragung können sich mit der ursprünglichen Erinnerung verbinden. Dadurch können Erinnerungen verändert oder unter bestimmten Bedingungen falsche Erinnerungen entwickelt werden, die anschließend subjektiv als eigene authentische Erinnerung erlebt werden.

Bedeutung für Satanic Panic und RG/MC

Suggestive Befragungen spielten bei mehreren historischen Fällen der Satanic Panic eine zentrale Rolle. Besonders bekannt wurden die Kinderinterviews im Fall McMartin Preschool. Wiederholte und teilweise stark lenkende Befragungen trugen dort dazu bei, dass immer außergewöhnlichere Schilderungen über sexuellen Missbrauch, Rituale und angebliche geheime Vorgänge entstanden.

Ein vergleichbares Risiko besteht in Psychotherapien, wenn gezielt nach bislang unbekanntem Missbrauch, „Innenpersonen“, Ritualen, Täterkontakten oder „Programmen“ gesucht wird. Kennt die betroffene Person das erwartete Erklärungsmodell, können auch therapeutische Fragen und Interpretationen suggestiv wirken.

Eine suggestive Befragung beweist nicht, dass eine Aussage falsch ist. Sie kann jedoch deren Beweiswert erheblich beeinträchtigen, weil später häufig nicht mehr zuverlässig festgestellt werden kann, welche Informationen ursprünglich erinnert und welche erst im Verlauf der Befragung eingeführt oder entwickelt wurden.

Aus diesem Grund setzen moderne forensische Befragungsstandards insbesondere bei Kindern auf offene, möglichst neutrale Fragen und die Vermeidung suggestiver Vorgaben.