Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.
Suggestion
Suggestion bezeichnet in der Psychologie die Beeinflussung von Wahrnehmungen, Gedanken, Erwartungen, Erinnerungen oder Verhalten durch Informationen, Fragen oder soziale Einflüsse. Sie kann bewusst oder unbeabsichtigt erfolgen und setzt weder Täuschungsabsicht noch Manipulation voraus.
Besonders relevant ist Suggestion bei Erinnerungen und Befragungen. Bereits die Formulierung einer Frage kann beeinflussen, wie ein Ereignis später erinnert wird. Wiederholtes Befragen, vorgegebene Antwortmöglichkeiten, Erwartungen einer Autoritätsperson oder das wiederholte Vorstellen eines Ereignisses können diesen Einfluss verstärken. Kinder können aufgrund ihrer Entwicklung für bestimmte Formen suggestiver Befragung besonders anfällig sein.
Suggestion bedeutet dabei nicht, dass sich Menschen beliebig jede Geschichte „einreden“ lassen. Ihre Wirkung hängt von zahlreichen Faktoren ab. Gut belegt ist jedoch, dass suggestive Einflüsse Erinnerungen verändern und unter bestimmten Bedingungen auch zur Entstehung falscher Erinnerungen beitragen können.
Suggestion im RG/MC-Kontext
Suggestion spielt eine zentrale Rolle bei der wissenschaftlichen Kritik an Satanic-Panic- und RG/MC-Konzepten. In historischen Fällen wie McMartin entstanden immer umfangreichere Missbrauchsschilderungen unter teilweise stark suggestiven Befragungsbedingungen. Ähnliche Probleme wurden später bei bestimmten Formen therapeutischer „Erinnerungsarbeit“ diskutiert.
Besonders problematisch ist ein therapeutischer Prozess, wenn bereits angenommen wird, hinter Symptomen müssten verborgener Missbrauch, unbekannte Persönlichkeitsanteile, „Programme“ oder eine Täterorganisation stehen. Fragen und Deutungen können dann vorgeben, wonach gesucht wird, während die anschließend entstehenden Berichte wiederum als Bestätigung der ursprünglichen Annahme verstanden werden.
Suggestion bietet damit einen wissenschaftlich untersuchten Mechanismus, durch den subjektiv vollkommen überzeugende Berichte entstehen oder verändert werden können, ohne dass bewusst gelogen wird. Sie beweist nicht, dass eine konkrete Erinnerung falsch ist – macht aber eine unabhängige Überprüfung schwerwiegender Anschuldigungen unverzichtbar.
