Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.
Satanic Panic
Als Satanic Panic wird eine vor allem in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren verbreitete moralische Panik bezeichnet, in deren Verlauf die Vorstellung aufkam, geheime satanistische Gruppen würden in großem Umfang Kinder und Erwachsene entführen, sexuell missbrauchen, foltern oder in ritualisierte Gewalthandlungen einbeziehen. In einigen Erzählungen gehörten auch Menschenopfer, die gezielte Zucht von Kindern oder weitreichende, konspirativ organisierte Täterstrukturen dazu.
Ein wichtiger Ausgangspunkt war 1980 das Buch Michelle Remembers des Psychiaters Lawrence Pazder und seiner Patientin Michelle Smith. Darin wurden während einer Therapie entstandene bzw. „wiedergewonnene“ Erinnerungen an angeblichen satanisch-rituellen Missbrauch als tatsächliche Kindheitserlebnisse dargestellt. Das Buch fand große öffentliche Aufmerksamkeit und prägte zahlreiche Motive, die später in weiteren Berichten über satanisch-rituellen Missbrauch auftauchten.
Besondere öffentliche Bedeutung erlangten ab den 1980er-Jahren Vorwürfe gegen Kindertagesstätten und Vorschulen in den USA. Der bekannteste Fall war die McMartin Preschool in Kalifornien. Ähnliche Anschuldigungen verbreiteten sich anschließend über die USA hinaus und erreichten unter anderem Großbritannien und weitere europäische Länder. Medien, religiöse Akteure, Teile der Strafverfolgung sowie Angehörige psychosozialer Berufe trugen in unterschiedlicher Weise zur Verbreitung der Vorstellungen bei.
Umfangreiche Ermittlungen konnten die behaupteten weitreichenden satanistischen Netzwerke und die ihnen zugeschriebenen systematischen Verbrechen nicht belegen. Die Satanic Panic wird deshalb heute in der sozialwissenschaftlichen Forschung als moralische Panik untersucht. Dies bedeutet nicht, dass sexueller Missbrauch, organisierte Kriminalität oder Gewalt in religiösen bzw. weltanschaulichen Zusammenhängen grundsätzlich ausgeschlossen werden. Gegenstand der Kritik sind vielmehr die spezifischen Behauptungen über großflächige geheime satanistische Täterorganisationen und die Mechanismen, durch die entsprechende Anschuldigungen entstanden, bestätigt und weiterverbreitet wurden.
Eine wichtige Rolle in der späteren Aufarbeitung spielten daher auch Fragen nach suggestiven Befragungen von Kindern, therapeutischer Suggestion, sogenannten wiedergewonnenen Erinnerungen (Recovered Memories) sowie der sozialen und medialen Verbreitung entsprechender Narrative.
