Einreden einer Krankheit

Wie ich bereits unter den News angekündigt haben, bekam ich per Mail einige Audioaufnahmen zugeschickt, die den erschreckenden Ablauf einer Therapie aufzeigt. Im Folgenden möchte ich die transkribierten Texte 1:1 einfügen. Allerdings ohne Namen – auch das wurde hier erklärt.
Im Anschluss möchte ich auf diesen therapeutischen Ablauf mit eigenen Worten eingehen. Der folgende Dialog aus der Beratung bezieht sich auf ein Blackout, den die Patientin im Monat zuvor hatte und der für ein großes Angstgefühl sorgte. Die Angst war der Grund, wieso sie diesen Blackout zu thematisieren versuchte.

Kontext: Der folgende Dialog aus der Beratung bezieht sich auf ein Blackout, den die Patientin im Monat zuvor hatte und der für ein großes Angstgefühl sorgte. Die Angst war der Grund, wieso sie diesen Blackout zu thematisieren versuchte.
Patientin: Aber dass ich dann irgendwelche Sachen schreib, die ich… man eigentlich eher vielleicht anders hätte ausdrücken können oder nicht unbedingt so schreiben hätte müssen…
Therapeutin: Ja… aber vielleicht unterhalten wir uns mal über diese beiden Teile. Vielleicht ist das ganz gut, wenn wir uns das ein bisschen anschauen, dass Sie ein bisschen mehr Verständnis entwickeln, wer das denn ist in Ihnen.
Patientin: Ja sicher. Nur ich versuch immer, das möglichst weit weg, weil…
Therapeutin: Ja. Und das ist auch gut so, im Alltag ist es gut so. Aber ich denk mir, dafür ist ja therapeutisches Setting da, dass man da ein bisschen sich auseinandersetzt und da so mal hinschauen kann und im Alltag muss’s wieder die Erwachsene sein. Aber dann muss man der auch mal zuhören.
Patientin: Ja. Nur ich hätte halt gern, dass ich mich da… durchgehend weiß, was ich getan hab und nicht irgendwie so, so…. ich weiß nicht… so Blackout. Und dann ist da, ich denk mir: Um Gottes willen, was hab ich geschrieben, was hab ich da gemacht, das ist irre peinlich. Es ist irre peinlich.
Therapeutin: Na ja. Ja. Das heißt, könnte das sein, ich sag jetzt mal das Wort und Sie sagen, ob das sein könnte, dass Sie multiple Persönlichkeiten haben? Dass Sie manchmal Sachen sagen, ja, …
Patientin: Das wie in, weiß ich nicht, „Galileo“, auf PRO 7, diese Sendung?
Therapeutin: Nein, das kenn ich nicht.
Patientin: … wo die mal gezeigt haben, ich weiß nicht, da haben sie irgendeine Dame mit, ich glaub, 20 Persönlichkeiten gezeigt. Also das ist ja… irre… Entschuldigung.
Therapeutin: Nein, ich hätte jetzt eher mehr gedacht an 2 Persönlichkeitsanteile, ja, die aber nicht miteinander verbunden sind, wo Sie sagen: Ich weiß dann gar nicht, dass ich das gemacht hab.
Patientin: Na ja aber das sind ja diese Menschen, die irgendeinen … Entschuldigung… Psychokiller in sich haben und dann ist irgendein Hollywoodfilm und die sind …
Therapeutin: Nein, nein, nein, nein. Das ist alles uninteressant. Das sind Menschen, die schwere Traumata erlebt haben. Das hat damit nichts zu tun. Vergessen Sie Hollywood.
Patientin: Ja, nein, nur dieses Wort: Dieses „Multiple irgendwas“… Da ist halt diese Assoziation zu dem, was man da…
Therapeutin: Ja aber das ist schädlich, wenn wir das dort hintun, denn das heißt, dass wir nicht drüber nachdenken, ob’s da ein Thema gibt. Weil dann wärs wichtig, dass die Anteile miteinander in einen Kontakt kommen.
Patientin: Ok. Entschuldigung, nur das Wort hat bei mir jetzt… da denk ich an irgend so einen Blockbuster von irgendwelchen Psychokillern…
Therapeutin: Ja aber, vergessen Sie einen Blockbuster, das ist nicht Ihr Thema. Ja. Ihr Thema ist das nicht. Ihr Thema ist möglicherweise, dass es immer wieder so… dass Sie dann eben sagen: Ich schau dann auf die SMS und sagen, aha, das hab ich geschrieben, ich kann mich gar nicht erinnern. Ja. So.
Patientin: Ja aber das hoff ich in den Griff zu kriegen, dass ich mich durchgehend erinner, weil es ist einfach furchtbar peinlich und…
Therapeutin: Das glaub ich Ihnen. Und davon rede ich. Aber dazu müssen wir mal wissen, ob es Ihnen immer wieder passiert, dass Sie Sachen sagen und machen, wo Sie dann nachher nicht wissen, dass Sie’s gemacht haben. Und da müssen wir… da müssen Sie zu sich ehrlich sein, weil da geht’s darum, dass diese Teile, dass wir denen mal zuhören, dass wir die zusammenbringen. Da geht’s nur darum, dass die zusammenkommen. Damit die nicht isoliert voneinander agieren müssen. Ja?
Patientin: Ja eh sicher.
Therapeutin: Ja? Ok? Also vergessen Sie alle Blockbuster, Sie haben keinen Psychokiller, das ist nicht Ihr Thema. Das ist nicht ihr Thema.
Patientin: Das war nur irgendwie…. Entschuldigung…..
Therapeutin: Es ist ok, dass Sie das stresst, das kann ich Ihnen gleich … das können wir gleich wieder abfließen lassen. Aber es könnte sein, dass es da einen Anteil gibt, der immer wieder aktiv wird, na, ja, zum Beispiel die freundliche xxx, ja? Wo Sie dann das Gefühl haben: »Oh je, was hab ich da gemacht, geredet, furchtbar peinlich…«. Und es geht darum, dass Sie immer wissen, was Sie tun. Und da müssen wir mal ehrlich hinschauen. Ok?
Patientin: Ja
Therapeutin: Und jetzt gehen wir rüber und machen uns einen Termin aus.

Eigene Worte:

Auffällig ist – und das hört man vor allem in den Audioaufnahmen – dass die Patientin kaum dazu kam, auch nur einen einzigen Satz auszusprechen. Sie wird nicht in ihren eigenen Assoziationen, die ihr beim Reden kommen, begleitet, sondern in eine bestimmte Richtung gedrängt. Das hier hat nicht einmal mehr etwas mit Suggestionen zu tun. Bei dem Ablauf kann man klar feststellen, dass der Patientin eine Krankheit eingeredet wird.

Die Patientin wirkt extrem unsicher, fast unterwürfig, was sie selbst im Nachhinein reflektiert. Man spürt, dass sie die Therapeutin als Autorität ansieht, denn sie entschuldigt sich u.a. mehrmals dafür, dass sie andere Assoziationen hat als die Therapeutin.

Laut eigener Auskunft empfand sie das Verständnis, was ihr entgegen gebracht wurde (abgesehen von dem eingeredeten Krankheitsbild) durchaus als angenehm. Sie empfand es auch als gut, dass die Therapeutin so viel zu erklären versuchte.
Fatal, denn genau das darf eine Therapie nicht sein.

Natürlich kann die Therapeutin mal das eine oder andere erklären, aber das hier geht weit über eine gewöhnliche Erklärung hinaus. Die Stimmlage der Therapeutin klingt sehr festgelegt, für sie war es also bereits klar, dass diese Krankheit vorliegt. Eine Krankheit, für die man sehr lange braucht, um die Diagnose tatsächlich stellen zu können.

Ein Blackout kann viele Ursachen haben: Überforderungen, Dissoziationen allgemein, körperliche Ursachen, psychosoziale Stresssituationen, Alkohol/Medikamente, uvm.

Es spricht nichts dagegen, wenn eine Therapeutin bei derartigen Symptomen unterschiedliche Krankheitsbilder gedanklich in Betracht zieht, hier aber wird die Diagnose der Patientin buchstäblich übergestülpt.

Um was für eine Therapeutin handelt es sich hier?

Wir haben es hier weder mit einer Heilerin, noch mit einer Heilpraktikerin zu tun, auch nicht mit einem beratenden Vereinsmitglied, sondern mit einer ausgebildeten therapeutischen Fachkraft, die wiederum andere Fachkräfte ausbildet.
Die Therapeutin ist studierte Psychotherapeutin, die sich auf Essstörungen und Traumatherapie spezialisierte. Obendrein ist sie geschult im Bereich der Fortbildung und hält Vorträge für ProfessionistInnen.

Die Patientin ist noch einmal hin gegangen, es war dann das letzte Mal. Obwohl die Betroffene die Diagnose nicht annahm, gestaltete sich das Gespräch genauso, als wäre sie an einer Dissoziativen Identitätsstörung, sprich Multiplen Persönlichkeitsstörung erkrankt. Dazu der folgende Auszug:

Kontext: Die Betroffene hat geweint, hat versucht, das Weinen zu unterdrücken. Sie sprach davon, die Therapie abzubrechen. Die Therapie sei zwar die letzte Chance, aber sie könne sie nicht annehmen, da es bestimmt andere Leute gibt, die diesen Platz dringender benötigen.
Therapeutin: Auf der einen Seite haben Sie ganz was Dramatisches in sich, aber auf der anderen Seite, auf der anderen Seite haben Sie ganz was Verharmlosendes in sich, auch die zwei Extreme. »Ist ja eh alles in Ordnung, passt eh alles« und dann: »meine allerletzte Chance«. So in dem Spektrum bewegt sich das.
Patientin: Ich möchte aber nicht was Dramatisches oder so sagen, machen. Das ist ja….
Therapeutin: Mhm. Das ist nicht der Punkt. Aber der Punkt ist ja….
Ja genau, nehmen Sie ein Taschentuch…. Geben wir die ganze Box näher…
Das weiß ich schon, dass Sie das nicht wollen. Aber in Ihnen sind diese beiden Teile, nicht wahr? In Ihnen sind Sie auf der einen Seite sehr dramatisch und auf der anderen Seite: »Es ist eh alles in Ordnung«. Und so geht das hin und her. Ne? Und dass Sie eine echte Not haben, das kann ich gut sehen. Ja?
Patientin: Es gibt immer Leute, denen es schlechter geht. Und ich kann mich ja zusammenreißen.
Therapeutin: Also. Ja. Das ist nicht der Punkt. Ich möchte jetzt, dass die Teile in Ihnen mich hören, ja, die in Not sind. Und ich kann sehen, dass Sie eine große Not haben. Und das ist eine echte Not, die es verdient, Unterstützung zu bekommen. Mir ist es wichtig, dass mich die Teile hören, die das betrifft. Und Sie haben jedes Recht, einen Therapieplatz zu bekommen und zu beanspruchen. Und es ist einfach nicht wahr, dass es bei Ihnen nix bringt, weil Sie jemand sind, der, wenn Sie sich entschließen, sehr verlässlich und sehr paktfähig ist. Und das ist eine wichtige Voraussetzung für Heilung. Ja? Und ich möchte, dass das die Teile hören, die das betrifft. Und die anderen, die immer alles verniedlichen, die spreche ich jetzt nicht an… und verharmlosen. Ja?

Eigene Worte:

Erneut zeigt sich, dass die Patientin kaum dazu kommt, eigene Gedanken auszuformulieren. Natürlich tut es einem unsicheren Menschen meistens gut, wenn der andere das Wort ergreift. Aber selbst das war der Betroffenen an dem Punkt zu viel. Sie wandte sich an mich.

Ich habe ihr weder dazu geraten, die Therapie abzubrechen, noch habe ich sie darin bestärkt, weiter zu machen. Aber ich habe ihr klar vermittelt, dass diese Therapieform nicht seriös ist. Hätte ich einzig nur die Worte bzw. subjektiven Berichte der Betroffenen vor Auge gehabt, hätte ich mir dieses Urteil nicht erlauben können, doch ich hatte durch die Audios – die mir nicht nur auszugsweise vorliegen – die Möglichkeit, die Dialoge 1:1 zu verfolgen.

Passend zu dem letzten Gespräch möchte ich hier einen Auszug von der Psychologin Bianca Liebrand einfügen. Das Zitat gehört zu der Seite »Sekten-Info NRW«, auf der der Erfahrungsbericht Zersplitterung nach Therapie behandelt wird.

Hineinsprechen

Bei der Methode des „Hineinsprechens“ wird der TherapeutIn eine besondere Rolle zugesprochen, denn manchmal sei es für die KlientIn schwierig, selbst Kontakt zu den Innenpersonen aufzunehmen.[63] Dieser Methode wird ein besonderer Stellenwert eingeräumt, denn der angeblich „beste und effektivste Weg“[64] bei der Therapie sei die direkte Kontaktaufnahme mit den Innenpersonen, um die vermeintlichen Programmierungen zu erfragen und aufzulösen.

Es besteht die Annahme, dass Überlebende alle Teile ihrer traumatischen Erinnerung zusammenführen müssen, um eine vollständige Heilung zu erreichen.[65] Die traumatische Erinnerung sei angeblich auf zehn oder mehr Innenpersonen aufgeteilt und es müssten alle beteiligten Innenpersonen an der Erinnerungsarbeit teilnehmen.[66] „Wenn nicht alle Innenpersonen des Mind Control Opfers an dem Prozess teilnehmen, könnten innere Beschützer die Innenpersonen, die verbotene Informationen zu früh offenbart haben, bestrafen.“[67]

Durch die spezielle Erinnerungsarbeit können sogar „Babyerinnerungen“ verarbeitet werden: „Wie ich festgestellt habe, können Überlebende, wenn sie Zugang zu ihren Erinnerungen als Säugling bekommen, oft heute einen Sinn darin erkennen, der ihnen als Baby noch verschlossen war.“[68]

Beim Hineinsprechen soll auch Kontakt zu sogenannten „schwebenden Teilchen (Wasserleichen)“ aufgenommen werden.[69] Dabei soll es sich um Anteile handeln, die nicht absichtsvoll von den Tätern abgespalten wurden, sondern rein zufällig entstanden sein sollen. Diese sollen die Fähigkeit besitzen „durch den Körper zu schweben“[70]  und unbemerkt an Informationen zu kommen. Ihnen wird ein enormes Wissen zugeschrieben und sie seien „eine große Hilfe auf dem Heilungsweg.“[71]

Quelle NRW Zersplitterung nach Therapie

Wir haben bei der Schilderung in der transkribierten Audionachricht, von der ich berichte, zwar keinen Bezug zur Satanic Panic hergestellt, doch das Hineinsprechen wurde auch hier in der Praxis vollzogen. Siehe konkret:

Ich möchte jetzt, dass die Teile in Ihnen mich hören, ja, die in Not sind...

Und ich möchte, dass das die Teile hören, die das betrifft. Und die anderen, die immer alles verniedlichen, die spreche ich jetzt nicht an…

… Und das bereits in einer der ersten Therapiestunden.

Ich möchte verdeutlichen, dass ich nicht weiß, woran die Betroffene tatsächlich leidet und ich möchte diesbezüglich auch keinerlei Vermutungen äußern. Dazu muss sie sich einer seriösen Therapie unterziehen, wo man eine kompetente Differenzialdiagnose stellen kann.

Nehmen wir an, die Betroffene wäre nun auf meine Initiative der Aufklärung nicht gestoßen bzw. hätte damit keinerlei Berührungskontakt gehabt:
Ich halte es für sehr wahrscheinlich – gerade auch, weil sie das Verständnis als angenehm empfand und die Therapeutin als Autorität wahr nahm – dass sie diese Diagnose unreflektiert angenommen hätte. Im Zuge weiterer Recherchen hätte sie mit Sicherheit auch Parallelen gefunden, denn das ist die Gefahr, wenn man sich online informiert. Mit den Kriterien solcher Störungen können sich extrem viele Menschen identifizieren, vor allem Menschen mit Borderline.

Wundert es da, dass die prozentuale Zahl der Krankheit steil nach oben geht?
Ich lasse diese Frage an der Stelle einfach mal im Raum stehen.
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