Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.
False Memory / falsche Erinnerung
Als False Memory („falsche Erinnerung“) wird eine Erinnerung an ein Ereignis bezeichnet, das entweder nicht stattgefunden hat oder in wesentlichen Punkten anders stattgefunden hat, als es erinnert wird.
Falsche Erinnerungen sind keine bewussten Lügen. Eine Person kann eine falsche Erinnerung als lebhaft, detailliert und vollkommen authentisch erleben und von ihrer Richtigkeit überzeugt sein. Das menschliche Gedächtnis funktioniert nicht wie eine unveränderliche Aufzeichnung, sondern rekonstruiert Erinnerungen bei jedem Abruf. Dabei können spätere Informationen, Erwartungen, Erzählungen anderer Personen oder eigene Vorstellungen in die Erinnerung einfließen.
Experimentelle Gedächtnisforschung hat gezeigt, dass Erinnerungen durch Suggestion, irreführende Informationen, wiederholtes Vorstellen und bestimmte Befragungsmethoden verändert werden können. Unter bestimmten Bedingungen können Menschen auch Erinnerungen an autobiografische Ereignisse entwickeln, die tatsächlich nicht stattgefunden haben.
False Memories im RG/MC-Kontext
Falsche Erinnerungen sind für die Satanic-Panic- und RG/MC-Debatte von besonderer Bedeutung, weil zahlreiche Berichte über rituellen Missbrauch, geheime Kulte oder „Programmierung“ im Rahmen von Psychotherapien bzw. intensiver Erinnerungsarbeit auftauchten.
Werden dabei bereits bestimmte Täterstrukturen oder verborgene Traumata vorausgesetzt und anschließend durch wiederholtes Befragen, Imagination, Hypnose oder die Suche nach vermeintlich abgespaltenen Erinnerungen rekonstruiert, besteht die Gefahr suggestiver Erinnerungsbildung.
Das bedeutet nicht, dass jede spät auftauchende oder therapeutisch berichtete Erinnerung falsch ist. Ebenso wenig lässt sich die Wahrheit einer Erinnerung allein anhand ihrer Lebhaftigkeit oder der subjektiven Gewissheit beurteilen. Bei konkreten Anschuldigungen ist deshalb die unabhängige Überprüfung durch externe Belege entscheidend.
