Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.
SP Lexikon
Täterintrojekt
Als Täterintrojekt wird insbesondere in Teilen der Trauma-, DIS- und RG/MC-Literatur ein innerer Persönlichkeitsanteil bezeichnet, der Eigenschaften, Aussagen, Verhaltensweisen oder Drohungen eines früheren Täters übernommen haben soll. Solche Anteile werden beispielsweise für selbstabwertendes, selbstverletzendes oder scheinbar „täterloyales“ Verhalten verantwortlich gemacht.
Der Begriff knüpft an das psychologische Konzept der Introjektion an – die Verinnerlichung von Einstellungen, Bewertungen oder Verhaltensmustern anderer Menschen. Daraus folgt jedoch nicht, dass im Inneren einer Person eine Art Abbild des Täters als eigenständige Person existiert.
Im Kontext von Ritueller Gewalt/Mind Control erhält das Täterintrojekt eine weitergehende Bedeutung. Dort wird teilweise angenommen, Täter hätten solche Persönlichkeitsanteile gezielt erzeugt oder „programmiert“, um Betroffene von innen heraus zu überwachen, zum Schweigen zu bringen, zu bestrafen oder an eine Täterorganisation zu binden.
Für eine solche gezielte Erzeugung und „Programmierung“ von Täterintrojekten gibt es keine belastbaren empirischen Belege. Besonders problematisch kann das Konzept werden, wenn innere Konflikte oder selbstschädigende Impulse als Hinweis auf fortbestehende Täterkontrolle interpretiert und damit innerhalb eines bereits vorausgesetzten RG/MC-Modells erklärt werden.
Täterloyale Innenperson
„Täterloyale Innenperson“ ist eine Bezeichnung aus dem Umfeld der Rituelle-Gewalt/Mind-Control-Konzepte (RG/MC). Gemeint ist ein vermeintlicher Persönlichkeitsanteil eines Menschen mit DIS, der weiterhin den Tätern verbunden sei, deren Anweisungen befolge oder innerhalb des sogenannten „Systems“ ihre Interessen vertrete.
Im RG/MC-Modell werden solchen „Innenpersonen“ beispielsweise die Überwachung anderer Anteile, die Verhinderung des Sprechens über Täter, Selbstbestrafung oder die Aufrechterhaltung des Kontakts zu einer angenommenen Täterorganisation zugeschrieben. Teilweise wird angenommen, diese Funktionen seien von Tätern gezielt durch „Programmierung“ geschaffen worden.
„Täterloyale Innenperson“ ist kein diagnostischer Begriff der Dissoziativen Identitätsstörung und gehört nicht zu deren diagnostischen Kriterien. Die Bezeichnung entstammt einem spezifischen Erklärungsmodell, das innere Konflikte und Verhaltensweisen innerhalb einer angenommenen Täterstruktur interpretiert.
Für die im RG/MC-Konzept behauptete gezielte Erzeugung oder Programmierung solcher Persönlichkeitsanteile gibt es keine belastbaren empirischen Belege.
Trigger
Der Begriff Trigger (engl. trigger = Auslöser) bezeichnet in der Psychologie einen Reiz, der eine bestimmte emotionale, körperliche oder verhaltensbezogene Reaktion auslöst. Besonders häufig wird der Begriff im Zusammenhang mit Trauma- und Belastungsstörungen verwendet.
Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung können beispielsweise Geräusche, Gerüche, Orte, Berührungen, Situationen oder andere Reize Erinnerungen und starke Stressreaktionen hervorrufen. Betroffene können mit Angst, körperlicher Erregung, Vermeidung, Flashbacks oder anderen traumabezogenen Symptomen reagieren. Solche Trigger müssen nicht bewusst erkannt werden und können individuell sehr unterschiedlich sein.
Trigger im RG/MC-Kontext
Im Konzept der Rituellen Gewalt/Mind Control (RG/MC) erhält der Begriff eine wesentlich weitergehende Bedeutung. Dort werden Trigger als von Tätern teilweise gezielt festgelegte Signale verstanden, mit denen zuvor „programmierte“ Reaktionen oder bestimmte Persönlichkeitsanteile aktiviert werden könnten.
Als solche Trigger werden beispielsweise Wörter, Zahlen, Symbole, Farben, Musikstücke, Gesten, bestimmte Daten oder Gegenstände beschrieben. Nach dem RG/MC-Modell könnten Täter damit aus der Ferne „Programme“ starten, Erinnerungen blockieren, Schweigen erzwingen, bestimmte Persönlichkeitsanteile hervorrufen oder Betroffene zu festgelegten Handlungen veranlassen.
Diese Vorstellung ist von psychologisch bekannten traumabezogenen Triggerreaktionen zu unterscheiden. Dass Reize erlernte oder traumatische Reaktionen auslösen können, ist kein Nachweis dafür, dass Täter komplexe Verhaltensprogramme installieren und später mittels geheimer Signale gezielt aktivieren können.
Für Trigger als Bestandteil eines solchen programmierten psychischen Steuerungssystems gibt es keine belastbaren empirischen Belege. Diese Bedeutung des Begriffs gehört zum RG/MC-Erklärungsmodell und nicht zur diagnostischen Definition der DIS oder einer Traumafolgestörung.
