Informationen zur Debatte um rituelle Gewalt & Mind Control
− bekannt als „Satanic Panic“ −
und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.
SP Lexikon
Programme
Als „Programme“ werden im Kontext der Rituelle-Gewalt/Mind-Control-Verschwörungserzählung (RG/MC) angeblich gezielt erzeugte psychische Automatismen bezeichnet, durch die das Verhalten von Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung gesteuert werden könne.
Nach diesem Konzept sollen Täter durch extreme Gewalt, Konditionierung und sogenannte „Programmierung“ bestimmte Reaktionen in einzelnen Persönlichkeitsanteilen verankern. Diese „Programme“ könnten später durch festgelegte Trigger aktiviert werden und anschließend weitgehend automatisch ablaufen.
In der RG/MC-Literatur werden zahlreiche Arten solcher Programme beschrieben, etwa Schweigeprogramme, die das Sprechen über Täter verhindern sollen, Rückkehrprogramme, die Betroffene zur Tätergruppe zurückführen sollen, oder Suizid- und Selbstverletzungsprogramme, die bei bestimmten Situationen aktiviert würden. Auch Überwachungs-, Bestrafungs- und sogenannte Sicherheitsprogramme werden beschrieben.
„Programme“ sind kein Fachbegriff und kein Bestandteil der diagnostischen Beschreibung der Dissoziativen Identitätsstörung. Reale psychologische Phänomene wie Konditionierung, erlernte Verhaltensmuster, Triggerreaktionen oder dissoziative Zustände belegen nicht die Existenz solcher gezielt installierten Steuerungsmechanismen.
Für die Behauptung, Täter könnten komplexe psychische „Programme“ gezielt in Persönlichkeitsanteilen installieren und diese später durch festgelegte Signale zuverlässig aktivieren, gibt es keine belastbaren empirischen Belege. „Programme“ gehören zum spezifischen Erklärungsmodell der RG/MC-Verschwörungserzählung.
Programmierung
Mit „Programmierung“ wird im Kontext von Ritueller Gewalt/Mind Control (RG/MC) die Vorstellung bezeichnet, Täter könnten die Psyche eines Menschen gezielt manipulieren und bestimmte Reaktionen, Verhaltensweisen, Erinnerungszugänge oder dissoziative Persönlichkeitszustände planmäßig erzeugen und steuern.
In entsprechenden Konzepten wird häufig angenommen, dass Täter durch extreme Gewalt, Folter, Schlafentzug, Isolation, Medikamente, Hypnose, Konditionierung oder andere Manipulationstechniken gezielt Dissoziation hervorrufen oder nutzen. Dabei sollen sogenannte „Programme“ installiert werden, die später durch bestimmte Reize oder Trigger aktiviert werden können. Beschrieben werden beispielsweise Schweige-, Rückkehr-, Selbstverletzungs- oder Suizidprogramme sowie gezielt für bestimmte Aufgaben geschaffene Persönlichkeitsanteile.
Einzelne Mechanismen, auf die solche Vorstellungen Bezug nehmen, sind aus Psychologie und Medizin grundsätzlich bekannt. Menschen können konditioniert, unter Druck beeinflusst und durch Gewalt schwer traumatisiert werden; auch Dissoziation und posttraumatische Reaktionen sind reale Phänomene. Daraus folgt jedoch nicht, dass sich komplexe psychische Funktionen oder dissoziative Persönlichkeitszustände nach einem vorgegebenen Plan erzeugen, mit bestimmten „Programmen“ versehen und später zuverlässig wie ein technisches System abrufen lassen.
Für das in der RG/MC-Literatur beschriebene Modell einer solchen systematischen Programmierung von Menschen fehlt eine belastbare empirische Grundlage. Insbesondere für weitreichende Behauptungen über Täterorganisationen, die Menschen mittels ausgefeilter Methoden gezielt dissoziieren, Persönlichkeitsanteile erschaffen und mit geheimen Programmen versehen, liegen keine entsprechend belastbaren wissenschaftlichen Nachweise vor.
Der Begriff sollte deshalb nicht mit etablierten psychologischen Begriffen wie Konditionierung, Suggestion, Traumatisierung oder Dissoziation gleichgesetzt werden. Diese bezeichnen wissenschaftlich untersuchte Phänomene; „Programmierung“ bezeichnet dagegen ein wesentlich weitergehendes Erklärungsmodell innerhalb der Rituelle-Gewalt-/Mind-Control-Konzepte.
