Wer ist Nora

Wer ist Nora?

Ich bin ich nicht die einzige Person, die an der Webseite arbeitet. Es gibt da eine junge Frau, die mit ihrem Wissen und ihrem Reporter-Talent mitwirkt. Nora!

Nora ist eine sehr gute Freundin und eine Borderline-Betroffene mit einer starken Dissoziationsproblematik. Um sie grob zu umschreiben:

Sie ist wie Tag und Nacht. Wie schwarz und weiß. Wie Wasser und Feuer.

Zeichnung © Nora

Einerseits hochbegabt und intellektuell auf einer sehr anspruchsvollen Ebene. Anderseits naiv wie ein kleines Mädchen, was man (salopp formuliert) auch mit 100 000 Erklärungen nicht dazu bringt, von 1 bis 5 zu zählen. Damit möchte ich meine Freundin gar nicht abwerten. Wäre mir daran gelegen, würde ich nicht ihre andere Seite hervor heben, in der sie es mit vielen professionellen Wissenschaftlern intellektuell aufnehmen kann.

Das sind zwei sehr starke Kontraste, die ihr Leben immer wieder aufs Neue erschweren. Hinzu kommen noch viele andere Problematiken, die kaum jemand zu Gesicht bekommt, denn Nora hat es gelernt, mit perfektionierten Masken zu leben.

Marvelous über Nora im Detail

Wochenlang lag ich Nora damit in den Ohren, eine Seite anzufertigen, auf der sie sich vorstellt und über sich schreibt.
Obwohl Nora sehr gerne schreibt, ja, auch sehr gut schreiben kann, ist es ihr nicht möglich gewesen, eine Seite ins Netz zu stellen, auf der sie mitteilt: »Das bin ich – so bin ich.«

Und genau das ist es, was uns beide – Nora und mich – ausmacht. Diese Unterscheidung:
Während ich über die meisten meiner Anteile und Zustände ganze Bücher füllen könnte, sitzt sie vor einem leeren Blatt, wenn sie sich selbst anschaut.

Nora geht mir zu Herzen.
Ich habe noch nie zuvor ein so liebenswürdiges Chamäleon kennen gelernt, wie sie.


Zeichnung © Nora

Da sitzt sie nun auf meinen Schultern und wartet immer meine Tagesstimmungen und Reaktionen ab, damit sie sich farblich darauf einstellen kann.
Manchmal schaffe ich es nicht mehr, mir vor Augen zu halten, dass nicht ICH ihr Verhalten erzeuge, sondern dass sie es bereits als ganz kleines Kind verinnerlicht hat.

Nora hat die Fähigkeit, spontan zu sein, komplett verloren. Ich habe durchaus versucht, mich mit ihr auseinander zu setzen, im Guten, wie auch im Bösen. Es ist nicht so, dass sie es nicht versteht, sie ist eine hochintelligente Person – fast schon außergewöhnlich intelligent. Aber das Verstandene legt sich immer wieder neu unter einen verdeckten Schleier, ohne dass sie etwas dagegen tun kann.

Wenn es mich zu sehr belastet und sie Angst bekommt, mich zu verlieren, dann kommt eine andere Nora um die Ecke und alles beginnt von vorne. Sie kann niemals sie selbst sein, weil sie nicht weiß, wer sie ist. Doch genau das ist sie.
Mit all ihren Ängsten, mit all ihrem Können, mit all ihrem Liebreiz, (manchmal ZU lieb 😉 ) mit all ihren perfektionierten Masken, = all das ist sie. Nur sie kann es so nicht verinnerlichen, weil ein leeres Loch entsteht, wenn sie sich selbst anschauen soll.

Nora hat Angst!
Und diese Angst möchte ich aushalten, so wie sie meine unterschiedlichen Anteile aushält.

Nora hat unheimlich viel Können. Nur ist es schwer, ihr auch zu sagen, wenn sie etwas besonders gut macht. Denn genau dann legt sich bei ihr ein Schalter um, der sie unter einen enormen Druck setzt. Sie glaubt dann nämlich, immer so gut sein müssen.
Gut sein musste sie ihr ganzes Leben lang. Darin ist sie perfekt. Sie kann fast alles.
Aber wenn man sie lobt, dann wächst der Erwartungsdruck ins Unermessliche und sie bringt nichts mehr zustande.

Nora ist traurig!
Es hat lange gedauert, bis ich damit konfrontiert wurde, wie depressiv sie ist. Da sie immer auf meinen Schultern sitzt und meine Stimmung abwartet, damit sie sich anpassen kann, versäumt sie es, mir zu zeigen, was sie tatsächlich fühlt. Es ist nicht so, dass sie es unterdrückt. Ich glaube, das Chamäleon ist sehr echt.
Als ich sie irgendwann dabei erwischte, wie depressiv sie tatsächlich ist und dass das nicht nur eine Einmal-Sache ist, schimpfte ich mit ihr und fragte, ob sie mir etwa nicht vertraut.
Aber es hatte gar nichts mit Vertrauen zu tun. Wie kann sie mir denn zeigen, wie traurig und depressiv sie ist, wenn sie auf meinen Schultern sitzt, um sich farblich anzupassen? Das Chamäleon, was versucht, meine Stimmung vorauseilend zu erfühlen, hat gar keine Chance, an die eigene Traurigkeit anzudocken.

Was für Diagnosen bekam sie bereits?
F 60.31 Borderline Persönlichkeitsstörung
F 43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
F 33.2 Rezidivierende depressive Störung (mit suizidaler Einengung)
F 50.2 Bulimia nervosa
F 55.1 Laxantienabusus
F 15.1 Ephedrinabusus
X 61 Parasuizidale Handlung mit trizyklischen AD
T 14.1 Selbstverletzungen durch Schneiden und Schlucken von Glasscherben

Nora hat Erfahrungen mit unterschiedlichen bzw. mehreren Sekten, mit Teufelsaustreibungen, mit der Pro Ana Bewegung, mit Beziehungen, in denen sie missbraucht und brachial behandelt wurde …

Sie erlebte den Verlust zweier Kinder durch Fehlgeburten, nie hatte sie die Chance, all das aufzuarbeiten.

Als ich sie kennen lernte, konnte ich nicht wissen, dass es trotz enger Verbindung mindestens ein Jahr brauchen wird, bis ich Nora das erste Mal zu Gesicht bekomme. Bis dahin war sie nur ein Abbild dessen, was sie glaubte, sein zu müssen. Sie war das, was ich – ihrer Meinung nach – sehen wollte. Oder was alle anderen von ihr sehen wollen.

Es war nicht nur eine soziale Rolle, wie sie ein jeder kennt. Keiner kann mit seinem wahren Kern an andere heran treten oder sich in der Gesellschaft bewegen. Aber das war/ist es bei Nora nicht. Es ist…
… viel schlimmer. Viel extremer.

Sie ist nicht nur eine soziale Rolle, sie ist genau das, was man von ihr erwartet.
Kennt jemand den Film Color of Night mit Bruce Willis?
Sie hat tatsächlich etwas von Rose Dexter aus diesem Film.

Um es überspitzt – tatsächlich überspitzt? – zu formulieren:
Wenn jemand eine Masochistin will, bekommt er eine Masochistin.
Wenn jemand eine Sadistin will, dann bekommt er eine Sadistin.

Nora hat keine sozialen Rollen, sondern lebt all das, was sich Menschen von Herzen wünschen. Und das tut sie in einer solchen Perfektion, dass man viel mehr von einer Perversion sprechen müsste, um das Dilemma zu verstehen.

Es gab Momente, da habe ich Nora als Aufziehpuppe bezeichnet. Ich drehe den Schlüssel herum und sie ist wach.
Vielleicht erschreckt der eine oder andere, wenn er meine Vergleiche liest. Aber das ist unsere Sprache. Wir sind so unterschiedlich und wir müssen uns beide irgendwie verständigen. Ja, und das geht manchmal nur in dieser drastischen Bildsprache. Nora selbst empfindet diese Sprache als hilfreich, denn nur so kann sie ihre Mechanismen erkennen.

Worauf ich hinaus möchte, ist, dass Nora mir extrem zu Herzen geht. Sie ist eine ganz besondere Frau und ich habe Mühe, meine Wut zu zügeln auf all die Menschen, die ihr so derartige Ketten anlegten.

Nora ist extrem loyal, sie ist freigiebig, sie schenkt für ihr Leben gerne und sie kann wunderschön lachen. Wir haben uns sehr lieb, aber wir unterschätzen auch nicht die teilweise hochexplosive Dynamik zwischen uns beiden. Wir projizieren eine Menge auf uns, was uns beiden aber letztendlich hilft, um uns selbst zu spiegeln.
Entsprechend können wir auch fantastisch reden, diskutieren und analysieren. Das können wir vor allem dann sehr gut, wenn wir mal wieder die eine oder andere Sekundäranalyse heraus arbeiten.

Nora:
Es ist schön, dass es dich gibt!

Marvel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.