Wegschau-Mentalität

Autorin: Marvel Stella

Ich glaube, es ist an der Zeit, klarzustellen, wie ich zum Thema Opfer-Glaubwürdigkeit und zu der Wegschau-Mentalität vieler Menschen stehe.

Des Öfteren wird dieser Webseite vorgeworfen, dass wir hier Opferberichte grundsätzlich in Frage stellten und/oder dazu beitragen würden, dass Missbrauch angezweifelt wird. Das Gegenteil ist der Fall! Uns ist die Opfer-Glaubwürdigkeit elementar wichtig. Wir – Nora und ich – sind selbst Traumaopfer, und nichts liegt uns ferner, als die Aufklärung über Missbrauch zu behindern.

Ich denke, jeder, der sich für den Opferschutz einsetzt, ist auf Menschen (zumeist Frauen) wütend, die zum Beispiel ihren Ex-Partner des Missbrauchs bezichtigen, um ihm zu schaden. Vor Gericht wird dann bewiesen – oft geben die Beschuldiger es im Nachhinein auch zu – dass sie gelogen haben.   

Gibt es irgendein Opfer auf dieser Welt, das sich mit diesen Frauen solidarisch verbunden fühlt? Nein! Im Gegenteil. Diese Frauen, manchmal sind es auch Männer, die jemanden zu Unrecht des Missbrauchs bezichtigen, sorgen dafür, dass tatsächlichen Opfern bald schon nicht mehr geglaubt werden kann.

Für mich war es bis vor einem Jahr ein NoGo, Opfer anzuzweifeln. Bevor ich mit der Recherche über die Satanic Panic begann, hatte ich den Opferberichten geglaubt, weil ich zu 100% vertraute. Ich vertraute den Opfern, ich vertraute den Opferberatungsstellen, ich vertraute den Traumatherapeuten, ich vertraute allen, die sich für Opfer einsetzen.  Bedingungslos und ohne zu hinterfragen.

Nun jedoch angesichts der Aufklärungsarbeit, wo immer mehr Details ans Licht kommen, dass gewisse Opferberichte faktisch nicht stimmen können, ist dieses bedingungslose Vertrauen stark untergraben worden. Gleichzeitig ist aber der Wunsch verfestigt worden, echten Traumaopfern mit unserer Aufklärungsarbeit zur Seite zu stehen.

An dieser Stelle möchte ich einen Einblick darin geben, wie es für mich persönlich war, keine Hilfe zu erfahren. Alle Fallbeispiele in dem Buch betreffen „uns“. Ich schreibe über „das Mädchen“, weil ich mich selbst nicht mit den Erlebnissen identifizieren kann.

BookRix-Buch: Wenn alle Wegschauen – Ignoranz

In diesem virtuellen Buch erfährt man meine – nicht gerade zimperliche, sondern sehr resolute – Meinung zum Thema Opferglaubwürdigkeit und Wegschau-Mentalität. Wer jetzt immer noch meint, Nora und ich würden mit unserer Aufklärung die Opferglaubwürdigkeit untergraben (wollen), dem unterstelle ich bewusste Boshaftigkeit. Demjenigen, das behaupte ich, geht es nicht darum, Opfer zu schützen, sondern nur darum, uns zu diskreditieren.

Mir ist es heute, hier und jetzt nicht wichtig, ob man mir glaubt oder nicht. Wichtig sind mir aber all die anderen Missbrauchsopfer, die noch auf dem Weg sind, sich Hilfe zu suchen. Genau das war immer eines meiner Kernanliegen, wie man auch in meinem Artikel „Ignoranz“, den ich 1999 schrieb und 2020 auf BookRix veröffentlichte, erkennen kann!

Hinzufügen muss ich allerdings, dass ich den Beitrag heute nicht mehr in dieser Resolutheit verfassen würde. Dafür weiß ich inzwischen zu viel. Dafür ist mein Vertrauen in die Opferhilfe und den Opferschutz zu stark erschüttert!

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