McMartin Preschool

Die McMartin Preschool war eine Vorschule in Manhattan Beach, Kalifornien, die ab 1983 zum Schauplatz eines der bekanntesten Fälle der US-amerikanischen Satanic Panic wurde. Der Fall entwickelte sich aus dem Vorwurf einer Mutter, ihr zweieinhalbjähriger Sohn sei von einem Mitarbeiter der Einrichtung, Ray Buckey, sexuell missbraucht worden.

Im Verlauf der Ermittlungen weitete sich der Verdacht erheblich aus. Die Polizei wandte sich mit einem Schreiben an zahlreiche Eltern der Vorschule und bat sie, ihre Kinder nach möglichen Missbrauchserfahrungen zu befragen. Viele Kinder wurden anschließend im Children’s Institute International (CII) untersucht und interviewt.

Dabei entstanden zunehmend außergewöhnliche Schilderungen. Neben sexuellem Missbrauch war von Tierquälerei, satanisch anmutenden Ritualen und Opfern die Rede. Später wurden auch unterirdische Tunnel und geheime Räume beschrieben. Derartige Behauptungen ließen sich nicht durch entsprechende Sachbeweise bestätigen.

Besondere Bedeutung erlangte der McMartin-Fall für die Forschung über suggestive Befragungen von Kindern. Die aufgezeichneten Interviews wurden später wegen ihrer teilweise stark lenkenden Befragungsmethoden kritisiert. Auch die Geschworenen beschäftigten sich intensiv mit diesen Aufzeichnungen; beim zweiten Verfahren kritisierten Jurymitglieder die Interviews ausdrücklich als zu suggestiv.

Ursprünglich wurden sieben Personen beschuldigt. 1986 ließ der neu ins Amt gekommene Bezirksstaatsanwalt die Anklagen gegen fünf von ihnen wegen der schwachen Beweislage fallen. Das Hauptverfahren gegen Ray Buckey und seine Mutter Peggy McMartin Buckey begann 1987 und entwickelte sich zu einem außergewöhnlich langen und kostspieligen Strafprozess.

1990 wurde Peggy McMartin Buckey in sämtlichen gegen sie verhandelten Anklagepunkten freigesprochen. Ray Buckey wurde ebenfalls in einem Großteil der Anklagepunkte freigesprochen; bei weiteren Punkten konnte sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen. Ein anschließender zweiter Prozess gegen Ray Buckey endete wiederum ohne Schuldspruch, nachdem die Jury keine Einigung erzielen konnte. Die Staatsanwaltschaft verzichtete daraufhin auf einen weiteren Prozess.

Der McMartin-Fall gilt heute als ein zentraler Fall für das Verständnis der Satanic Panic der 1980er-Jahre. Er zeigt insbesondere, wie ursprüngliche Missbrauchsvorwürfe durch problematische Befragungsmethoden, öffentliche Aufmerksamkeit und sich gegenseitig verstärkende Erwartungen zu immer umfangreicheren und außergewöhnlicheren Anschuldigungen anwachsen können. Dabei ist wichtig, zwischen der grundsätzlichen Möglichkeit sexuellen Kindesmissbrauchs und der Frage zu unterscheiden, ob die im konkreten Fall erhobenen Behauptungen tatsächlich belegt werden konnten.