Skeptizismus

Vorweg sei angemerkt, dass ich zwar in der Ich-Form schreibe, aber meine TEAMlerin Nora mit dem, was ich schreibe immer mit einbeziehe, denn wir beide teilen diesbezüglich 1:1 dieselbe Sichtweise.

Zitat von Erasmus von Rotterdam – 15./16. Jahrhundert:

Der Name ‘Skeptiker’ entspricht dem, was Skeptiker tun: Sie erforschen und denken gründlich nach. Es fällt ihnen schwer, sich auf etwas Bestimmtes festzulegen und sie verteidigen auch nicht das, was sie vermuten. Die Skeptiker folgen dem, was sich bewährt hat, Nicht-Skeptiker aber dem, was sie für gewiss halten.

Quelle

Von jeher haben mich der rationale Diskurs und die Wissenschaft fasziniert. Gurus aller Arten, Aluhutträger, Verschwörer, Heiler, westliche Schwurbel-Esoteriker und Sekten aller Arten fordern mich geradezu heraus, skeptisch zu sein.

Mein Skeptizismus zeigt sich mitunter auch auf der Webseite, die ich Mitte 2021 ins Leben rief. Zwei mal schon haben sich hier Themen in eine Richtung entwickelt, die ich zuvor nie vermutet hätte. Das liegt einfach daran, das ich all das, was mich brennend interessiert, rauf und runter recherchiere, hinterleuchte, hinterfrage, ja, auch mich selbst. Und so kann es durchaus passieren, dass sich mein Blickwinkel ändert, was sich auf der Webseite widerspiegelt.

Am empfindlichsten reagiere ich auf Verschwörer und sektiererische Personen. Unter anderem, weil sie dogmatisch sind. Sie suchen in allem ihre Bestätigung, sie predigen einzementierte und missionarische Inhalte und suchen Jünger, die ihnen folgen.

Manfred Lütz, ein Psychiater, Psychotherapeut und Bestseller-Autor bezeichnete in seinem Buch „Bluff“ den britischen Evolutionsbiologen  Richard Dawkins als einen Missionar, der fundamentalistischen Atheismus betreibt. Damit erzeuge man laut Manfred Lütz eine niederträchtige Fälschung der Wissenschaft und eine hochtrabende Fälschung der Welt. Jedem seriösen Wissenschaftler, so schreibt er weiter, ist klar, dass die Wissenschaft nicht die Welt IST, sondern nur einen bestimmten Aspekt der Welt erfasst. (vgl. Lütz, 2012, Bluff, S.37-38 )

An diese Zeilen denke ich sehr oft, wenn ich manche Gemeinschaften beobachte, wie sie über Jahre oder gar Jahrzehnte ihre endgültigen Thesen und vermeintlich unanfechtbaren & unumstößlichen Wahrheiten verbreiten.

In Wikipedia findet sich folgende Aussage:

Da die Vertreter des Skeptizismus bezweifeln, dass es ein Wahrheitskriterium gibt, steht der Skeptizismus jeder Art im Gegensatz zum Dogmatismus.

Als Dogmatismus bezeichnen die Skeptiker alle Richtungen, deren Vertreter behaupten, beweisbare, richtige Aussagen über eine objektive Wirklichkeit machen zu können. 

Quelle

Vom Dogmatismus mal abgesehen, gibt es keine objektive Wirklichkeit. Man kann sich dieser Objektivität zwar sachlich und neutral annähern – Maschinen und Computer helfen uns dabei – aber da wir Menschen sind, werden wir sie niemals in ihrer Ganzheit erfahren.

Wenn ich von Sekten rede, beziehe ich mich übrigens nicht nur auf religiöse Sekten. Alle Gruppierungen, die dogmatisch und missionarisch sind, Anhänger, also Gleichgesinnte suchen und auf Kritiker übersensibel oder gar sanktionierend reagieren, haben Sektencharakter.

Nora und ich sind da sehr vulnerabel und gerade darum nehmen wir die Themen unter die Lupe. Das hat auch ein bisschen was mit Kontrolle zu tun. Nichts ist schlimmer, als den Einflüssen ohnmächtig und hilflos ausgeliefert zu sein, nichts ist so gefährlich wie Unwissenheit, nichts ist so vereinnahmend, wie das, was man nicht kennt.

Natürlich gibt es auch bei mir bzw. uns Überzeugungen. Wäre es anders, hätte ja nichts in unserem Leben Gültigkeit. Doch genau diese Überzeugungen sind nicht in Stein gemeißelt.

In der heutigen Zeit ist es sehr schwer, Skeptizismus zu betreiben. Man muss sich für bestimmte Seiten und in sofern auch Glaubensrichtungen entscheiden. Das wurde vor allem in der Coronakrise, so auch jetzt beim Krieg in der Ukraine deutlich. Was hier aber im Großen passiert, passiert schon seit Jahren im Kleinen. => schwarz-weiß, keinerlei Differenzierungen mehr – die Gesellschaft ist massiv gespalten.

Ich habe den Eindruck, der Dogmatismus ist das größte Problem in unserer zerrissenen Gesellschaft. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die sich gerne an Themen reiben, um sich weiter zu entwickeln. Die meisten gehen auf andere Menschen zu, um eine Bestätigung zu finden. An sich ist das ja nicht verkehrt, ich würde mir nur manchmal weniger Extreme und ein bisschen mehr Mitte wünschen.

Schlusswort:

Skeptisch sein ist:

  • offen sein
  • neugierig sein,
  • hinterfragend sein,
  • untersuchend sein,
  • kritisch sein,
  • forschend sein…

Wenn man seine eigene Meinung einzementiert, was bleibt dann noch vom Skeptizismus übrig?

Ich hoffe, dass sich Skeptizismus niemals in der Rechthaberei verlieren wird, und dass sie auch nicht – niemals – vor der Skepsis an sich halt macht. Denn bei aller Wahrheitsliebe – mein Zugang ähnelt vielmehr dem Ausspruch von Sokrates:

Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.