Hysterie historisch betrachtet

Vorwort:

Ich habe die Diagnose hysterische oder histrionische Persönlichkeitsstörung nie erhalten. Auf Grund mancher Vorgehensweisen aber, insbesondere bei den PschiaterInnen, die mich nur oberflächlich kannten und die mit meinen psychogenen Somatisierungsbeschwerden konfrontiert wurden, weiß ich, dass mich diese Etikettierung – genauso wie alle anderen Dissoziationsbetroffenen – betrifft. Über meine Erlebnisse werde ich gelegentlich in meinem persönlichen Bereich berichten und hier verlinken.

Zunächst soll der Begriff der Hysterie in den historischen Kontext eingebettet werden:

Diese Krankheit sorgte über tausende Jahre hinweg für einen Unterdrückungsmechanismus der Frauen. Das ging so weit, dass Frauen im Mittelalter auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, wenn bei ihnen eine Hysterie festgestellt bzw. vermutet wurde. Schon die alten Ägypter, so heißt es in dem Video Damals normal, heute Skandal – Hysterie typisch weiblich (2016), hielten die Hysterie für ein weibliches Leiden, was vor allem unbefriedigte und kinderlose Frauen befällt. Diese These wurde geschaffen, weil Hystera gleichzeitig auch Uterus hieß,  (altgriechisch ὑστέρα hystéra, auf Deutsch: Gebärmutter)

Die Hysterie wurde vom griechischen Arzt Hippokrates (460-377 v.Chr.) als einem der Ersten beschrieben, der fälschlicherweise davon ausging, dass das Leiden von der Gebärmutter ausginge, die im Körper herumkrieche und wahlweise die Organe befalle. Daher stammte auch die uralte Annahme, die Gebärmutter könne Frauen krank, unpässlich und wütend machen.

Platon, ein antiker griechischer Philosoph, meinte einst:

Die Gebärmutter ist ein Tier, das glühend nach Kindern verlangt. Bleibt dasselbe nach der Pubertät lange Zeit unfruchtbar, so erzürnt es sich, durchzieht den ganzen Körper, verstopft die Luftwege, hemmt die Atmung und erzeugt allerlei Krankheiten.

Im 19. Jahrhundert zeigte sich dann verstärkt, und darauf gehe ich im Laufe der folgenden Unterseiten näher ein, wie sexistisch Frauen auf Grund dieser Diagnostik von Männern behandelt wurden.
In dem weiter oben verlinkten Video heißt es dazu:

Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „histrionisch“ (ableitend von theatralisch, schauspielerisch)  anstelle von hysterisch für die Persönlichkeitsstörung verwendet. Damit bemühte man sich, die negative Konnotation herauszunehmen, was jedoch misslang. Auch die späteren Um- und Neubenennungen in Konversionsneurose, Konversionsstörung, und Somatisierungsstörung konnten nichts daran ändern, dass das klassische Bild der Hysterie sowohl in Fachkreisen als auch in der gesellschaftlichen Betrachtung prägend war. Die Tatsache, dass sich das Bild der Hysterie über Jahrtausende manifestierte, prägt heute noch den Umgang mit den Betroffenen, was mich dazu bringt, diese Seite/Unterseite zu erstellen.

Weiterführende Informationen über die Hysterie: (Das hier beschriebene – gängige – Bild der Hysterie / HPS betrachte ich kritisch)

Hinweis:

Die Quellen auf den jeweils verlinkten Seiten zeigen, dass auch heute noch ein hauptsächlich von männlichen Akteuren geführter Diskurs über ein zugeschrieben weibliches Phänomen stattfindet.

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