Was sind Dissoziationen

Beschreibungen zu den Formen der Dissoziation gibt es im Internet reichlich. Weiter unten habe ich eine Liste mit den einzelnen Dissoziationsarten eingefügt, die passend verlinkt wurden. (Die Verlinkungen führen dich zu einer medizinischen Fremdseite)     

Auf meiner Webseite möchte ich die Wiederholungen, die man mit einem Klick auf Google findet, nicht fortführen. Zumindest nicht, wenn es sich vermeiden lässt.  

Es geht mir hier primär darum, dass der Laie beim Lesen denkt:

Hey! Das kenne ich. Damit kann ich mich identifizieren.

Es ist mein Anliegen, vor allem die Dissoziative Identitätsstörung aus der mystischen Ecke heraus zu holen. Eine Form der Mystik, an die die Wissenschaft mit ihrer Diagnosebeschreibung durchaus mit beteiligt ist.

Kommen wir hier aber erst einmal allgemein zu den Dissoziationen:

Dissoziation an sich ist keine Störung. Im Gehirn laufen ständige Prozesse der Dissoziation, aber auch der Assoziation ab.  Die Frage, die sich hier stellt, ist, in welchem Ausmaß und in welchem Zeitraum die Dissoziation auftritt. Denn nur das entscheidet am Ende, ob wir es mit einem normalen Zustand, mit einer Krisenreaktion, mit einer Störung oder auch mit einer formvollendeten Krankheit zu tun haben.

Ich vergleiche das immer gerne mit der Angst, die ja nun wahrlich jeder Mensch kennt. 12 Millionen Menschen haben in Deutschland sogar eine Angststörung. In Europa sind es 60 Millionen.

Angst, viele wissen es bereits, ist ein normales und sogar überaus notwendiges Gefühl. Ohne Angst wäre der Mensch einer potentiellen Gefahr ausgesetzt, in Folge ist die Angst überlebensnotwendig.  Es ist erwiesen, dass Menschen, denen die Angst aus gesundheitlichen Gründen fehlt, nur mit Mühe das 30. Lebensjahr überschreiten.

Wann also ist Angst nun konkret eine Störung?

Wenn man ein ZU davor setzen kann.

ZU wenig Angst, aber auch ZU viel Angst.

Ganz genauso ist es bei den Dissoziationen.

Hätten wir keine dissoziativen Prozesse im Gehirn,  wären wir einer ständigen Überflutung ausgesetzt. Dazu gibt es auch viele Studien über Autisten.

Buchempfehlung von einem Hirnforscher, dessen Sohn an Autismus erkrankte:

Man geht oft davon aus, dass autistische Kinder zu wenig wahrnehmen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sie nehmen ZU VIEL wahr. Salopp könnte man sagen, die Dissoziations-Filter fehlen. Also die Fähigkeit, wichtige und unwichtige Informationen zu trennen und entsprechend je nach Priorität im Gehirn zu verarbeiten und ins Bewusstsein zu lassen. Der “normale” Mensch bekommt nur einen winzigen Bruchteil dessen bewusst mit, was auf ihn einwirkt. Anders als Autisten, die in einem Ausmaß mit Signale überflutet werden, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als „nach innen zu fliehen.“   

Bei Kindern ist es übrigens bis zum 3./4. Lebensjahr völlig normal, dass sie zwischen realer Wahrnehmung und Dissoziation hin und her springen. Deswegen ist die bisherige Annahme, Kinder würden sich durch Traumata explizit aufspalten, nicht ganz korrekt. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass das, was im Laufe der Entwicklung zusammen gehört, (das Ich, das Selbst) inkohärent bleibt.

Mehr dazu auf der Seite: Dissoziative Identitätsstörung.

Bild © Marvelous

 

Im Folgenden noch einige Verlinkungen, die medizinisch kurz und prägnant die Begriffe der Dissoziation im ICD erläutern.

ICD11
6B60 Dissoziative neurologische Symptomstörung
6B61 Dissoziative Amnesie
6B62 Trance-Störung
6B63 Trance- und Besessenheitszustände
6B64 Dissoziative Identitätsstörung
6B65 Partitielle dissoziative Identitätsstörung
6B66 Depersonalisierungs- und Derealisationsstörung
6E65 Sekundäres dissoziatives Syndrom
6B6Y Andere spezifizierte dissoziative Störungen
6B6Z Dissoziative Störungen, nicht spezifiziert  

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