Dissoziative Störungen (6B6) im ICD-11

Dissoziative Störungen (6B6) im ICD-11

  • Dissoziativ-neurologische Symptomstörungen (6B60)
  • Dissoziative Amnesien (6B61)
  • Trance Störung (6B62)
  • “Possession trance disorder” (6B63)
  • Dissoziative Identitätsstörung (6B64)
  • Partielle Dissoziative Identitätsstörung (6B65)
  • Depersonalisations-Derealisationsstörung (6B66)
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Dissoziativ-neurologische Symptomstörungen 6B60

• DNSS mit visuellen Beeinträchtigungen
(6B60.0): Visuelle Verzerrungen, Tunnelblick,
Halluzinationen, Blindheit
• DNSS mit akustischen Beeinträchtigungen
(6B60.1): Akustische Halluzinationen (Unspezifisch), Hörverlust, dissoziatives Stimmenhören
• DNSS mit Schwindel oder Benommenheit
(6B60.2)
• DNSS mit anderen sensorischen Beeinträchtigungen (6B60.3): Brennen, Schmerzen, Kribbeln, Anspannung, Gefühllosigkeit, oder andere
Symptome im Zusammenhang mit Berührung,
Geschmack, Geruch, Gleichgewicht, Tiefensensibilität, Bewegungssinn oder Temperatursinn.
• DNSS mit nicht-epileptischen Krampfanfällen
(6B60.4)
• DNSS mit Beeinträchtigungen des Sprechens
(6B60.5): Dysarthrie
• DNSS mit Parese oder Schwäche (6B60.6)
• DNSS mit Beeinträchtigungen des Gangs
(6B60.7): Ataxie u.a.
• DNSS mit Beeinträchtigungen der Bewegungen
(6B60.8): Chorea, Myoklonus, Tremor, Dystonie, Gesichtsspasmen, Parkinsonismus, Dyskinesien
• DNSS mit kognitiven Symptomen (6B60.9): eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit von Erinnerung,

Dissoziative Amnesie (6B61)

  • Unfähigkeit wichtige autobiographische Erinnerungen abzurufen, typischerweise von kürzlichen traumatischen oder stressvollen Ereignissen, unvereinbar mit normalem Vergessen.

Dissoziative Identitätsstörung (6B64)

  • Störung der Identität, charakterisiert durch zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeitszustände (“personality states”), verbunden mit deutlichen Unterbrüchen des Selbsterlebens und der eigenen Wirksamkeit.
  • Jeder Persönlichkeitszustand beinhaltet sein eigenes Muster von Erleben, Wahrnehmen, Erfassen und Interagieren mit sich selbst, dem eigenen Körper und der Umgebung.
  • Mindestens zwei unterschiedliche Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die exekutive Kontrolle des Bewusstseins und des Handelns in zwischenmenschlichen Interaktionen, im Austausch mit der Umwelt, und in verschiedenen Lebensbereichen wie Elternschaft, Arbeit, oder in Reaktion auf spezifische Situationen (z.B. als bedrohlich erlebte Situationen).
  • Wechsel zwischen Persönlichkeitszuständen sind verbunden mit Veränderungen von Empfindungen, Wahrnehmung, Affekten, Kognitionen, Erinnerung, motorischer Kontrolle und Verhalten.
  • Typischerweise gibt es Episoden von Amnesien, die schwergradig sein können.
  • Die Symptome können nicht durch eine andere Erkrankung oder durch Substanzen oder Medikamente erklärt werden

Partielle dissoziative Identitätsstörung (6B65)

  • Störung der Identität, charakterisiert durch zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeitszustände (“personality states”), verbunden mit deutlichen Unterbrüchen des Selbsterlebens und der eigenen Wirksamkeit.
  • Jeder Persönlichkeitszustand beinhaltet sein eigenes Muster von Erleben, Wahrnehmen, Erfassen und Interagieren mit sich selbst, dem eigenen Körper und der Umgebung.
  • Ein Persönlichkeitszustand ist dominant und funktioniert normalerweise im Alltag, wird aber durch einen oder mehrere nicht-dominante Persönlichkeitszustände beeinträchtigt (dissoziative Intrusionen).
  • Diese Intrusionen sind verbunden mit Veränderungen von Empfindungen, Wahrnehmung, Affekten, Kognitionen, Erinnerung, motorischer Kontrolle und Verhalten und werden als Beeinträchtigung des Funktionierens des dominanten Persönlichkeitszustands und typischerweise als störend erlebt.
  • Die nicht-dominierenden Persönlichkeitszustände übernehmen nicht wiederholt die exekutive Kontrolle über das Bewusstsein und das Funktionieren, aber es kann gelegentlich limitierte vorübergehende Episoden geben, in denen ein eigenständiger Persönlichkeitsanteil die exekutive Kontrolle übernimmt, um begrenzte Handlungen zu vollziehen, z.B. als Antwort auf extreme emotionale Zustände oder während Zuständen mit Selbstverletzungen oder dem Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen.
  • Die Symptome können nicht durch eine andere Erkrankung oder durch Substanzen oder Medikamente erklärt werden.

Zusatz: Diese Diagnose (6B65) ist neu. Die partielle dissoziative Identitätsstörung (pDIS) unterscheidet sich von der DIS darin, dass die Spaltung zwischen den Persönlichkeitszuständen weniger ausgeprägt ist.

Depersonalisations/Derealisationsstörung (6B66)

  • Depersonalisation: Sich selber als fremd, unwirklich,
  • losgelöst erleben, oder als wäre man ein Außen-Beobachter der eigenen Gedanken, Gefühle, Empfindungen, des Körpers oder der Handlungen.
  • Derealisation: Andere Menschen, Objekte oder die Welt als fremd oder unwirklich erleben (zB wie in einem Traum, distanziere, neblig, leblos, farblos, oder visuell verzerrt), oder Gefühl des Getrenntseins von der Welt.
  • Während Depersonalisation und Derealisation bleibt die Realitätsprüfung intakt.

Quelle: Dr. med. Jan Gysi
Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie FMH
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