Glück gehabt?

Mittlerweile weiß ich, dass sich diese satanistisch-rituellen Missbrauchsdarstellungen nicht in dieser Form zugetragen haben können. Dennoch kann ich mich deren Nachhall nicht erwehren: Was macht es mit dem Leser, sich mit derartigen Schilderungen von schlimmsten Horrorerlebnissen zu konfrontieren? Was macht das mit mir als Überlebende sexueller Gewalt, diese genauso grausamen wie detailhaltigen Berichte zu lesen?

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In 48 Stunden ist mein Hund tot (© Nora)

Als ich mit dem Tierarzt vor zwei Tagen das Datum für das Einschläfern festgesetzt hatte, war ich in Trance. Das kleine Zettelchen mit Uhrzeit und Tag war fest in meiner Hand und machte den Termin real. Nein, es war kein Albtraum, sondern mein Filou wird für immer einschlafen, doch ich realisierte es nicht. Es war bloß das Flüstern einer unhörbaren Stimme, die mir das Gefühl von Zeit und Raum nahm: „Das ist nicht real, das ist nicht real, das ist nicht real“.

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Ein unteilbares Ganzes ( © Nora)

Gefühle werden abgespalten oder internalisiert, Wut als Autoaggression gegen sich selbst gerichtet. Der Drang ist geboren, Bravsein als vermeintliche Bedingungen zu erfüllen, um gemocht zu werden. Ja, Bedingungen (!) – und genau hier fängt das Toxische an –, wenn Akzeptanz und daraus resultierend auch Selbstliebe an Bedingungen geknüpft werden, die erfüllt sein müssen: eine conditio sine qua non, welche irgendwann in krankhaftem Perfektionismus endet. Denn nur wenn man „perfekt“ wäre, hätte man „Liebe verdient“, so die verzerrte Selbstwahrnehmung.

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Zwischen Erkrankung und Lifestyle (© Nora)

Post von Nora: Als ich es irgendwann begriffen hatte, wollte ich die Diagnose Borderline sofort wieder weg haben und loswerden; diese Etikettierung, die – wie ich im Google herausfinden sollte – so viele negative Zuschreibungen hatte. Ich, die ich jeden Tag an mir selbst scheiterte, wollte unbedingt „normal“ sein – ohne eine Vorstellung davon zu haben, was „normal“ denn überhaupt sein sollte außer ein steigerungsfähiges Adjektiv: normal – normaler – am normalsten.

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Ent-angstet (© Nora)

Wir leben in einer „ent-angsteten“ Zeit.Fast jeder hat sie, doch keiner will sie: die Angst.Denn zuzugeben, dass man ängstlich ist,über das Tabu-Thema zu reden,bleibt schmerzhafter Seelen-Striptease. Doch Angst ist nicht die Abwesenheit von Mut,sondern bezeugt die Anwesenheit von Stärke.Weil es mutig ist, Angst in Worte zu fassen,ist Angst zu haben niemals feige. Angst widersetzt sich dem Versuch, sie mit Buchstaben zu benennen.Sie […]

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Marv über Noras Erfahrung

Kaum ein Mensch interessiert sich dafür, was hinter den Türen der Psychiatrien geschieht. Junge Männer werden gebrochen, siehe Christian Discher. Junge Mädchen werden mit Schuldgefühlen überladen und traumatisiert, siehe Nora.  Die Täter, ich nenne sie ganz bewusst so, laufen frei herum. Damals wie heute. Sie schützen sich untereinander und sie werden geschützt. Sie haben ein psychologisch perfides Macht-Monopol, was selbst die Macht des Staates aushebelt

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Nora über Elizabeth Loftus (© Nora)

Die Diskrepanz zwischen ihren wissenschaftlichen Leistungen und deren Instrumentalisierung zu Lasten sexuell missbrauchter Menschen lässt mich persönlich nicht kalt. Mir tut es mehr weh, als ich es in simplen Worten ausdrücken kann, es brennt in meinem Magen, es macht mich unfassbar wütend: wütend auf eine Frau, die gegen andere Frauen kämpft

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Noras Grenzlinie (© Nora)

Wenn du dich selbst Jahre lang niedermachst, dann erkennst du dir auch dieses Grundrecht ab. Doch irgendwann holt es dich ein. Alles holt dich ein. Auf einmal. Das ganze Spektrum der Emotionen, von todunglücklich bis zu himmelhochjauchzend. Alles zusammen, ein nicht trennbares Gemisch aus Gefühlen, die in deinem Inneren brodeln und plötzlich losbrechen. Ein Orkan, der alles wegfegt. Du hast Angst, große Angst, in solchen Momenten.

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Noras Netzbett-Erfahrung (© Nora)

Was ich genau sagte, weiß ich nicht mehr. Aber es wird wohl in diese Richtung gegangen sein: eine Entschuldigung, dass ich mich umbringen wollte, eine Entschuldigung, dass es nicht geklappt hatte, eine Entschuldigung, dass ich nicht reden konnte, eine Entschuldigung, dass ich bereits 2 Monate in der Psychiatrie war ohne Besserung in Sicht, eine Entschuldigung, dass ich nicht anders konnte, als mir fast täglich die Arme aufzuschneiden, eine Entschuldigung, dass ich eine Belastung war, eine Entschuldigung, dass ich das Trauma nicht hatte allein überwinden können.

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