Gefahren für Opfer im Netz

Vorweg:

Ich gebe zu, es fühlt sich durchaus komisch an, über Gefahren im Internet zu sprechen, als sei man eine Übermutti. Ich war eigentlich davon überzeugt, dass die Gefahren bekannt sind, ja, dass sie sogar Uroma Else aus dem “Nachbardorf” kennt. Und nun stelle ich fest, dass viel zu viele Menschen – erwachsene Menschen – aus allen Wolken fallen, wenn sie fest stellen, dass es im Netz kriminelle Arschlöcher gibt. (Entschuldigt die Wortwahl!)

Ich versuche ein paar Gefahrenquellen für die folgenden Personengruppen zu benennen.

  • Psychisch erkrankte Menschen,
  • Psychisch labile Menschen,
  • Menschen, die schwere Traumata erlebten,
  • Menschen, die sehr stark manipulierbar sind
  • Menschen, die man sehr leicht beeinflussen kann, weil sie extrem suggestibel sind.

Die Tage jetzt habe ich einen Artikel gelesen, in dem stand:

Die Wiener Kommunikationswissenschafterin Kathrin Karsay sieht darin eine große Chance: “Wenn Leute über ihre Erfahrungen sprechen, schafft das Akzeptanz, Empathie und Bewusstsein.” Sie beschreibt die Community  als eine Art digitale Selbsthilfegruppe, die wie eine echte funktioniert, weil sie Betroffenen durch den Austausch Zugehörigkeit spendet. Online mit dem Tabu zu brechen könne auch dabei helfen, dass sich die Menschen im echten Leben Hilfe suchen.

Quelle: Geteiltes Leid – Die Inszenierung psychischer Erkrankungen im Web

Ginge es hier nun um geschlossene Foren, dann würde ich dem sicherlich zustimmen. Doch sie spricht über die sozialen Medien wie Instagram, so auch YouTube, TikTok uvm. Das sind Medien, die komplett offen sind.

Und da erlebe ich mich sehr zerrissen. Einerseits haben betreffende User meine Bewunderung, denn es ist durchaus eine Form der Therapie, doch – und genau da setzt meine Zerrissenheit ein – anders, als Selbsthilfegruppen im realen Leben ist das Virtuelle mit extrem vielen Gefahren verbunden, die man immer und jederzeit im Hinterkopf behalten sollte.   

  • Die erste Gefahr

Missbraucher, Sektenmitglieder, Kinderschänder, – insgesamt alle kriminellen Organisationen haben bereits vor Jahren, ja, sogar Jahrzehnten die Vorteile des Internets entdeckt und gehen hier auf Beutefang.  Sie haben hier die Chance, ohne direkten Kontakt ihre Beute vorweg zu studieren und zu kontrollieren, um sie dann für eigene Zwecke manipulieren zu können.

Dazu muss ich einiges einfügen:

JEDER Mensch ist mal mehr oder mal weniger manipulierbar. Um ganz bekannte Manipulationsstrategien zu nennen:

  • Das Zuckerbrot und Peitsche Prinzip
  • Das Nähe-Distanz Spiel.

Psychisch erkrankte Menschen aber reagieren auf diese Strategien noch sehr viel stärker. Hinzu kommt, dass jeder Mensch sehr individuelle Manipulationsschwächen aufweist. Und genau diese individuellen Schwachpunkte (Trigger, Manipulationsknöpfe) werden vom Opfer buchstäblich auf einem Silbertablett serviert.

  • Die zweite Gefahr:

Es besteht die Gefahr, dass die Krankheit verfestigt wird. Ist das nicht eine Spirale, die immer weiter nach oben geht? Womit kann man die Follower und die Gleichgesinnten auf Dauer halten? Muss man sich nicht immer wieder neue Reize einfallen lassen, um die Fans zu beeindrucken und an sich zu binden? Ist es nicht am Ende auch eine Bindung an die Krankheit an sich?

Was ist denn, wenn sich die Krankheit durch eine Heilung auflöst?

Ja natürlich: Es werden sicher viele applaudieren, aber das wars dann auch. Sie werden gehen, um anderswo jemanden zu finden, der für sie als Sprachrohr fungiert und wo sie sich selbst wiederfinden können.

Auch habe ich den Eindruck, dass das Heischen nach Followern einen Wettbewerb erzeugt:

  • Wer hat die schlimmste Krankheit
  • Wer hat die schlimmsten Traumata erlebt

So hab ich die Tage (um nur ein Beispiel zu nennen) gelesen, wie eine DIS Betroffene ihre Kult-Erfahrungen als Dreijährige beschrieb, inklusive Mord an einem Kind und Organverspeisung, wofür man sie – als Dreijährige – extra hungern gelassen hatte. Dieser Bericht war sehr ausführlich und enthielt zahlreiche Schilderungen, die eine Dreijährige in ihrer kognitiven Entwicklung niemals erfassen könnte. Abgesehen von der Kindheitsamnesie, wie sie alle Menschen bis zum dritten Lebensjahr erleben.

Zwei Möglichkeiten gibt es.

  • Entweder, hier wird die These der falschen Erinnerung, wie sie Frau Dr. Julia Shaw beschreibt, bestätigt, oder
  • hier möchte uns jemand einfach nur gründlich zum Narren halten.

Ich meine, wir leben in einem freien Land, jeder kann berichten, was immer er möchte. Aber dass das von knapp 100 Leuten gelikt wurde, unter anderem von vielen Personen, die in DIS-Kreisen durchaus bekannt sind, hat mich extrem gewundert.

Nora, von der ich auf diesen Bericht hingewiesen wurde, meinte, ihr wurde anfangs übel. Dann aber hat sie sich auch geärgert. Mit solchen Berichten werden die Menschen immer mehr desensibilisiert. Wenn dann irgendwann mal jemand von einem „ganz gewöhnlichen“ sexuellen Missbrauch redet, wäre kaum noch einer in der Lage, mitzufühlen, weil es ja so normal und gewöhnlich ist.

Fazit:

An sich ist die Offenheit im Netz eine schöne Sache, denn wenn Reaktionen kommen, fühlt man sich verstanden, was an sich sehr heilend sein kann. Aber es kann auch dazu führen, dass sich die Spirale immer weiter nach oben dreht. Und irgendwann – vielleicht – ist man sogar gezwungen, sich schwere Schicksale, Krankheiten, Traumata und Erlebnisse einfallen zu lassen, um die Follower zu “füttern”.

  • Die dritte Gefahr:

Es entsteht eine Abhängigkeit von Likes.

Likes bieten Aufmerksamkeit und geben dem, der sich entblößt, eine Bedeutung. Das ist etwas, was viele Menschen in ihrer Kindheit niemals bekamen. Man fühlt sich in seinem Selbstwert bestätigt.

Was aber, wenn diese Parallelwelt, die nun mal nicht das echte Leben darstellt, zusammen bricht? Wie viel bleibt dann noch übrig?

Ich selbst schreibe in einigen Beiträgen durchaus über mich. Aber das, was mich tatsächlich zeigt und verletzlich macht, ist mit einem Passwort abgesichert. Denn – und hier kommen ich auf einen weiteren Punkt zu sprechen – ich möchte als 55-jährige der Jugend nicht vorleben, wie man sich im Netz enthäutet und bei Tätern Interesse weckt. Ja, ich sehe mich in einer gewissen Verantwortung.

Wenn wir als Erwachsene nicht in der Lage sind, zu zeigen, was Internet-Kompetenz ist, was erwarten wir dann von minderjährigen Mädchen und auch Jungen?

Wundert es uns tatsächlich, dass – wie im aktuellen Fall auf YouTube – ein nicht gerade intelligenter Mensch es schafft, Minderjährige mutmaßlich zu manipulieren, zu erpressen und vorgeblich zu missbrauchen? (Die SoKo ist dran) Die Erwachsenen machen es doch vor, wie man zur Beute wird.

Zu diesem Sachverhalt werden Nora und ich uns noch mal konkret auf einer Extraseite äußern.

Natürlich habe ich über die Gefahren im Netz schon sehr oft mit Nora geredet. Sie hat zum Thema Sekten, Dämonenaustreibungen oder auch zu den Täterschaften in ProAna Kreisen eine Menge beizutragen. Persönliches, aber auch Journalistisches.

Hier ein kleiner Ausschnitt ihrer WhatsApp Nachricht in einer unserer vielen Unterhaltungen.

Entsprechend der Themenvielfalt werden wir demnächst eine Menge erarbeiten und einstellen.

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