Michael Winterhoffs Methoden

Der Rundfunksender ARD zeigte gestern, am 09.08. eine Dokumentation mit dem Titel: „Warum Kinder keine Tyrannen sind“.

Der Inhalt der Doku wurde wie folgt angekündigt:

  • Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff ist gern gesehener Gast in Talkshows und hält europaweit Vorträge. Mit seinem Buch “Warum unsere Kinder Tyrannen werden” (2008) löste er eine heftige Erziehungsdebatte aus. Ehemalige Patient:innen und Erziehungsberechtige erheben nun schwere Vorwürfe gegen ihn.“

In dieser Dokumentation werden die Machenschaften des Kinder- Jugendpsychiaters und Bestsellerautors „Michael Winterhoff“ offen gelegt.  

Michael Winterhoff wurde vor allem durch die Medien groß gemacht. Er wurde in zahlreiche Talkshows eingeladen, er gab Kurse, Vorführungen, und seine Bücher über die Kinder und Jugendlichen, die er Tyrannen nennt, wurden massiv beworben.

Viele Jahre/Jahrzehnte behandelte er Kinder und Jugendliche, die an einer Aufmerksamkeitsstörung leiden, in einer dubiosen Weise,  und keinem fiel es auf. Ja schlimmer noch: Die Frage steht im Raum, wieso ein einzelner Arzt das gesamte System überzeugen konnte.  Er hatte massiven Einfluss (teils heute noch) auf Heime, auf Jugendämter und auf Familiengerichte.

Ich möchte hier beschreiben, worum es in der Dokumentation konkret geht, denn ich halte es für möglich, dass diese Doku in den kommenden Tagen wieder offline genommen werden muss, weil sich Michael Winterhoff mit seiner Anwaltskanzlei dagegen zur Wehr setzt.

Michael Winterhoff schien und scheint ein sehr persönliches Problem mit Kindern und Jugendlichen zu haben. Das hört sich erst einmal subjektiv spekulierend an, aber anders kann man es nicht benennen, wenn ein Psychiater sein gesamtes Leben darauf ausrichtet, Kinder als Tyrannen zu definieren, die man entmachten muss, damit deren Narzissmus nicht endlos wächst.  In der ganzen Zeit seiner medizinischen Laufbahn schien es diesem Psychiater darum zu gehen, den Willen der Kinder zu brechen und Menschen zu manipulieren, damit sie ihm und seinen Thesen Glauben schenken.

Als Diagnosen bekamen fast alle Kinder von ihm

  • „Frühkindlicher Narzissmus“
  • „Fixierung in der ödipalen Phase“
  • Und „Mutter-Kind-Symbiose“, die man dringend, so seine Forderung, außer Kraft setzen müsse.

Ich frage mich, (genauso, wie die Fachärzte in der Dokumentation) wie man einem KIND „frühkindlichen Narzissmus“ diagnostizieren kann. Diese Diagnose gibt es in den ICD gar nicht. Auch nicht für Erwachsene. Es gibt die „narzisstische Persönlichkeitsstörung“, – aber Kinder/Jugendliche, die sich mitten in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit befinden, können diese Diagnose noch nicht bekommen.  

Auch medikamentös wurden alle Kinder gleich behandelt. Nämlich mit dem Neuroleptika „Pipamperon“. Dies in einer Dosierung, die selbst für erwachsene Menschen schwer sedierend wirkt. Pipamperon bekamen sie nicht als Notfall- sondern über Jahre hinweg als Dauermedikament, so, dass sich die Persönlichkeit während der Entwicklung unter einem gedämpften Schleier befand. Was das für die Zukunft eines jeden Kindes bedeutet, kann man sich kaum vorstellen.

Ich frage mich, wieso Heime, Wohngruppen, – all die, die Kinder und Jugendliche zur Betreuung aufnahmen, jahrelang mitgemacht haben? Warum das niemals hinterfragt wurde? Aufgefallen ist es durchaus, wie man an der Aussage einer Angestellten, die nicht erkannt werden wollte, sah.   Sie meinte u.a. dass die Recherchen und Dokumentationen zu spät kämen. Zu viele Kinder seien bereits geschädigt. Auch beschrieb sie, dass man Kinder und Jugendliche mit einer Schablone begutachtete. Alle wurden gleich behandelt und gleich diagnostiziert.

Die Aussage bedeutet schlussfolgernd: Es fiel den Angestellten auf, und doch hat keiner eine Meldung gemacht. Im Gegenteil. In einigen Heimen arbeitet man noch heute mit Michael Winterhoff zusammen.

Wenn Mütter sich gegen die Tablettengabe der Kinder aussprachen und dem Herrn Winterhoff Unannehmlichkeiten bereiteten, gab er dem Jugendamt Empfehlungen, dass der Mutter das Sorgerecht entzogen werden sollte.  Dem wurde tatsächlich statt gegeben. Das Sorgerecht bekam in dem Fall der Vater, der mit den Medikamenten einverstanden war.

Wenn eine gerichtlich bestellte Vormunderin eines Kindes eine ärztliche Zweitmeinung einholen wollte, weil das Kind sediert wirkte und sie merkte, dass etwas nicht stimmt, wurde von Winterhoffs Anwaltskanzlei erneut Jugendamt und Amtsgericht eingeschaltet und der gerichtlichen Vormunderin wurde Kindeswohlgefährdung unterstellt. Es wurde gefordert, dass ihr die Vormundschaft entzogen wird.

Zum Glück ging dieser Fall positiv aus. Das örtliche Jugendamt stand hinter ihrem Tun, und sie konnte durch eine kompetente Zweitmeinung fest stellen lassen, dass das Kind, was jahrelang hochdosiert mit Pipamperon behandelt wurde, keine psychiatrische Störung hat.

Am Ende der Dokumentation kamen unabhängig voneinander zwei junge Männer zu Wort, die als Kinder (vor ca 20 Jahren) Opfer des Psychiaters waren. An der Art ihrer Schilderung spürte man die noch immer vorhandene Traumatisierung. Sie berichteten verunsichernd und mit großer Mühe, wie sich die Kontakte mit dem Psychiater gestaltet haben.

Unter anderem wurde gefordert, dass sie in ihrer Kindheit zwecks Untersuchung ihre Hose herunter ziehen sollten.  Daraufhin sollten sie sich auf eine Liege legen, und Michael Winterhoff  begann, an den Genitalien der kleinen Jungs herum zu manipulieren. Während dieser Handlung schaute er den Jungs direkt ins Gesicht.

DAS war m.E. eine hochgradig perfide Machtdemonstration.   

Damit wollte er die Kinder, die aus seiner Sicht narzisstisch waren, anscheinend entmachten und den Willen brechen. Nebenbei wurde den Jungs eingeredet, sie seien falsch, so, wie sie waren. Sie würden ihre Familie unglücklich machen, weil sie waren, wie sie waren. Kombiniert mit den Pillen die er verschrieb, war das eine Methode, Kinder schwer und nachhaltig zu traumatisieren und ihre Seelen zu zerstören .  

Einer der Betroffenen schrieb nach der Dokumentation auf Twitter:

Ich wünschte, der gesellschaftliche Aufschrei nach der Dokumentation würde niemals enden!

Persönliche Worte dazu:

Nun hab ich selbst so viel in den Psychiatrien erlebt. Vor allem in den Jahren nach der Wende. Ich habe andere Opfer kennen gelernt und mitgefühlt, wie sie für Gerechtigkeit kämpften, nachdem man sie psychisch schwer traumatisierte, (u.a. Christian Discher, der sich im letzten Jahr das Leben nahm). Ich habe Traumaopfer interviewt, habe recherchiert, und mit Fachkräften ganz viel über die (noch heute teilweise stattfindenden) Machenschaften geredet…

…  aber noch nie hat mich etwas so erschüttert, wie die Tatsache, dass auch kleine Kinder und Jugendliche  so einen massiven Übergriff und so eine missbräuchliche Machtdemonstration erleben mussten/müssen… und so gut wie keiner half/hilft.  

Ich hoffe inständig, dass hier kein Punkt gesetzt wird. Dieser Psychiater darf aus meiner Sicht niemals wieder praktizieren. Niemals wieder darf er Kinder in die Hände bekommen. Man darf hier und jetzt nicht aufhören, es publik zu machen. Man muss sein Vorgehen groß machen, so, wie man ihn einst in seiner Machtposition groß gemacht hat.

Die Opfer brauchen Stimmen. Stimmen, wie sie Christian Discher in seinem Buch den Opfern gab:

„Die Stimmen der Übriggebliebenen“ .

Ein Einzelner kämpft bei in diesem psychiatrischen Macht-System gegen Windmühlen an. Die Gesellschaft aber könnte es tatsächlich schaffen, auf offene Ohren zu stoßen.

Nachsatz:

Ich werde hier und heute nicht aufhören, zu recherchieren und im Auge zu behalten, wie sich das Wirken des Herrn Winterhoffs in Zukunft gestaltet.

Zusatz:

  • Auf Twitter hat ein Kinderpsychiater einen Thread gestartet, in dem er über Pipamperon aufklärt. Siehe HIER!
  • Heute, den 11.08.2021 kam ein Bericht in der Tagesschau.de. Siehe HIER!
  • 11.08.2021 – Jugendamt beendet Kooperation. Siehe HIER
  • 11.08.2021 ´Strafanzeige gegen Kinderpsychiater Winterhoff. Siehe HIER

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