Glaubwürdigkeit

Als ich mit dieser Webseite hier begann, hatte ich vor, hinter einem verdeckten Schleier zu bleiben. Ich wollte kein Gesicht zeigen und auch nicht preis geben, dass ich selbst betroffen bin. Das hatte mehrere Gründe, – auf die Wesentlichen möchte ich hier gerne eingehen.

Im Laufe der letzten 30 Jahre, inklusive der Psychiatrie, Psychotherapie, so auch der psychologischen Ausbildung, habe ich etwas ganz Wesentliches begriffen.

  • Als Betroffene bin ich, egal, wie viel Fachwissen ich aufweise, grundsätzlich unglaubwürdig.
  • Als Betroffene werde ich nicht, weder von der Gesellschaft noch von Fachkräften, ernst genommen.
  • Als Betroffene haftet der Makel an mir, in all meiner Kompetenz wertlos zu sein.

Dagegen hört man mir aufmerksam zu, wenn man nichts von meiner Betroffenheit weiß, sondern nur davon, dass ich in der Psychologie geschult bin. Ich fand es in den Jahren nur durch Zufall heraus.  Gerade weil ich ja beides bin, betroffen UND geschult, spüre ich den Unterschied sehr stark.

Irgendwann habe ich die Tatsache, selbst betroffen zu sein, ganz bewusst außen vor gelassen, wenn ich mich für andere Betroffene stark machen wollte.  Und es hat funktioniert. Es hat IMMER funktioniert.  Auf einmal war ich glaubwürdig. Auf einmal erkannte man meine Kompetenzen. (auch Fachkräfte) Ich wurde ernst genommen. Die typischen Totschlagargumente, à la:

„Du bist durch deine Betroffenheit viel zu eingeschränkt in Deiner Wahrnehmung und kannst gewisse Fakten nicht objektiv beurteilen“   

… fielen mit einem Mal weg. Es ging ganz plötzlich nur noch um Inhalte und nicht darum, dass ich ja viel zu betroffen sei, um mitreden zu können.  Die Jahre, in denen ich DAS begriff, haben mich doch sehr geprägt. Und genau das war auch der Grund, wieso ich hier auf dieser Webseite nicht als Betroffene, sondern als eine psychologisch geschulte Person Informationen zur Verfügung stellen wollte.

Doch dann spürte ich etwas sehr Merkwürdiges. Eine innere Stimme, die mir sagte:

Es reicht! Ich habe mich nun in meiner Betroffenheit genug versteckt. Es ist an der Zeit, dass das Thema Inklusion auch mich selbst einbezieht. ICH bin genauso wertvoll, genauso glaubwürdig, genauso kompetent, genauso würdevoll wie alle anderen Menschen, die NICHT betroffen sind.

Und genau dafür möchte ich mein Gesicht zeigen.  = Seite: Über mich

Zusatz:

Ich habe heute übrigens einen sehr aufschlussreichen Kommentar unter einem Beitrag von Christian Discher gelesen. Der Kommentar war im Ursprung auf englisch, denn Christian Discher stellte seine Geschichte auf einer amerikanischen Seite ein. Ein Satz fiel mir im Auge, bei dem ich dachte:

Dort genauso so wie hier….

In Amerika genauso wie in Europa:

Der Satz lautete:

Doch jede Diagnose beinhaltet die Diskreditierung der Kommunikationsbemühungen des Patienten. So wie der Patient etikettiert wird, so auch seine Sprachausgabe.

Quelle

Diese Aussage bringt das Kernproblem auf den Punkt.

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