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	Kommentare zu: Fernsehrat: Mitglieder fordern Neubefassung	</title>
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	<description>Informationen zur „Satanic Panic“, zur Debatte um rituelle Gewalt und zu Risiken suggestiver Therapiekonzepte.</description>
	<lastBuildDate>Sat, 25 Apr 2026 08:23:33 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Leonard Brauch		</title>
		<link>https://dissoziationen.de/alles/fernsehrat-mitglieder-fordern-neubefassung/#comment-102</link>

		<dc:creator><![CDATA[Leonard Brauch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jan 2024 16:55:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Hallo,

aus der Lügendetektorforschung kenne ich die psychologischen Hintergründe der Entstehung und auch aktiven Einpflanzung falscher Erinnerungen. Um die Lügendetektoren zu testen ist das nämlich ein Weg. Da wird dann mit der Autorität des Wissenschaftlers etwas falsches suggeriert, etc..

Die Gedächtnisdynamiken in erheblich herausfordernden Situationen, wie jene die zu dauerhaften Anfälligkeiten für Dissoziationen und ähnliches führen, sind sehr anfällig für verfälschende Einflüsse. Deswegen werden bspw. Zeugen so früh wie möglich systematische Interviews abverlangt, welche alle möglichen Details sammeln, um sie im Gedächtnis möglichst genau zu konsolidieren.

Betroffene Individuen betätigen sich auch selbst an den Verzerrungen. Unser Gedächtnis ist nicht gebaut, um so exakt wie möglich zu erinnern sondern so relevant wie möglich. Durch die automatischen Stabilisierungsmechanismen des Selbst kommt es deswegen innerhalb der ersten Wochen und Monate der persönlichen Entwicklung nach dem einschneidenden Erlebnis zu Verdrängung, Verzerrung, etc.. Narrative werden gebildet, um unerklärliches verständlich zu machen, und diese manifestieren sich als eingeübte Go-to-Gedächtnisse, wenn die Trigger auftauchen. Das kann dysfunktional und selbst belastend sein.

Was in der ganzen Diskussion um Michaela Huber und die therapeutische Herangehensweise an Menschen mit diesen Problemen auf der Seite der Skeptiker fehlt, ist eine dezidierte Auseinandersetzung mit der psychologischen Grundlage der Gedächtnisprozesse sowie der klinischen Arbeit mit den Patienten durch Therapeuten, Sozialarbeiter, etc..

Es ist sehr wohl möglich für Betroffene zwischen mehr klaren und weniger klaren Gedächtnisepisoden zu unterscheiden. Es ist auch möglich die Gedächtnisschwierigkeiten im therapeutischen Prozess zu thematisieren und ein besser stützendes Narrativ zu entwickeln. Wenn bspw. an Missbrauchsfälle aus Familiensysteme gedacht wird, dann spielt dabei bspw. auch eine Rolle, dass Betroffene die Täter schützen, um ihre existentielle Lebensgrundlage aufrechtzuerhalten. Darüberhinaus kommt es zu aktiven Versuchen der Täter die Opfer in ihren Reaktionen zu beeinflussen. Das führt auch zu Gedächtnisverfälschungen. Innerhalb von toxischen Beziehungskonstellationen wird das geläufig auch als Gaslighting beschrieben.

Die Sendung von Böhmermann genauso wie die gängige Skeptikerbehauptung einer Verschwörungstheorie differenziert hier nicht ausreichend über die schwierige Ausgangslage der Situationen, in denen sich das Gedächtnis zu den Ereignissen bildet und wie diese Prozesse durch verschiedenste Akteure und Aspekte beeinflusst wird. Es wird auch viel zu wenig repliziert, was die klinische Forschung für die therapeutische Praxis dazu bereithält.

Es ist und bleibt ein Dunkelfeld, das viele, viele verschiedene Fälle umfasst. Michaela Huber und den meisten der Therapeuten, Berater, etc. zu unterstellen hier nicht mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und sogar falsche Erinnerungen entlang eines einzelnes Narrativs zu produzieren entbehrt allein schon deswegen jeglicher faktischer Grundlage. Auch aus einer moralischen Perspektive ist der Beitrag nicht diskussionsfördernd sondern diskussionshemmend, weil er Betroffenen wie Therapeuten eklatant grundsätzliche Freiheiten absprechen will, wie das selbst zu entscheiden, wie mit den schwierigen Erfahrungen umzugehen ist bzw. welche therapeutische Maßnahme sinnvoll vorzuschlagen ist. Das ist keine Grundlage einer respektvollen Diskussion auf Augenhöhe, wie es insbesondere Betroffene dieser schwierigen Gedächtnissituationen erwarten dürfen.

Darüberhinaus schafft der Beitrag ein gesellschafltiches Klima der Verneinung der Betroffenenerfahrungen. Im Beispiel der Familiensysteme freut sich jede Täter darüber den Betroffenen aufgrund Böhmermanns Beitrag Glaubwürdigkeit abzusprechen. &quot;Hat ihr der Therapeut eingeredet.&quot; &quot;Das ist, weil sie eh so wirr ist.&quot; Das ist ungeheuerlich.

Sicherlich gibt es Menschen, die an eine globale satanische Verschwörung glauben und darunter sind mit Sicherheit auch Therapeuten und Betroffene. Ohne eine Studie über die tatsächliche Häufigkeit bestimmter Meinungen lässt sich keine abschließende Aussage darüber treffen, ob die von den Skeptikern behauptete Verschwörungstheorie tatsächlich soweit verbreitet ist. Michaela Huber hat in ihren Veröffentlichungen und Interviews immer sehr differenziert aufgegliedert, wie Ihre Meinung zu dieser schwierigen Fakten- und Erfahrungslage aussieht, und daraus lässt sich kein Glauben an eine satanische Weltverschwörung ableiten.

Meiner Meinung nach grenzt das an Verleumdung oder Rufmord.

Auch auf dieser Webseite sehe ich keine ausreichende Differenzierung des etablierten Wissens- und Praxisstands. Ich würde stark davon abraten sich aus der Liga der Skeptiker Anerkennung zu holen und zu wünschen, da sie wiederholt unwissenschaftlich und nicht faktenorientiert auftreten. Es wird hier ja sogar ohne jegliche systematische Erfassung eine satanic panic in Deutschland behauptet. Auch wissenschaftstheoretisch ist die Skeptiker-Überzeugen, das der aktuelle Wissensstand das endgültige Maß aller Dinge in diesem Problembereich darstellt, nicht logisch zu halten, denn die Faktenbasis ist einfach nicht gegeben, um hier irgendwelchen strengen Schlussfolgerungen wie die einer weitverbreiteten satanischen Weltverschwörung oder der Verschwörungstheorie darüber zu tätigen.

In diesem Sinne ist aus einer wissenschaftlichen und auch demokratischen Perspektive die Skeptikermeinung nicht weniger extrem und hinderlich für die Aufarbeitung als die Verschwörungstheorie selbst.

Es gibt millionfaches Videomaterial von polizeilich nicht aufgeklärten Missbrauchsstraftaten, die durch Symbolverwendungen rituelle Anscheine haben. Seit den 90ern ist bekannt, dass es nicht wenige Kult- und Sektenstrukturen gibt, welche das Potential solcher Missbrauchsaktivitäten bieten und der Auftrag der weiteren Erforschung wird weiterverfolgt. In der Ermittlungsarbeit überschneidet sich das logischerweise mit der Aufklärung von Menschenhandel.

Ich kann deswegen nur davon abraten weiter eine weitverbreite Existenz der stanic panic zu behaupten. Das hilft nicht. Das stört nur. Der Hinweis darauf auch an die klinischen Praktiker wirklich sehr vorsichtig vorzugehen, kann demgegenüber nicht genug ausgesprochen werden. Besser wäre es hier die Supervisionsgruppen ins Visier zu nehmen und dort die Thematik der Vulnerabilitäten von Gedächtnisstrukturen häufiger zu aktivieren.

Falls es tatsächlich eine satanische Weltverschwörung gibt, was sehr unwahrscheinlich ist, hilft es auch nicht dabei das aufzuklären, die Möglichkeit deren Existenz generell abzusprechen. Die Bedingungen der Möglichkeit sind da. Viel eher aber, und das sagt auch Michaela Huber selbst, handelt es sich, wenn es wirklich rituelle Gewalt ist, um bizarre Auswüchse bereits bizarrer Gruppierungen wie eben die organisierte Kriminalität oder esoterisch-okkulte Glaubenssysteme.

Also ein drittes Mal der dringende Hinweis sich von dieser Herangehensweise an die schwierige Thematik abzuwenden und dem behutsamen, achtsamen Dialog und Diskurs Raum zu geben. Böhmermanns Sendung macht die Hilfe für Betroffene schwieriger, macht die Hürden offen zu reden für Betroffene größer, erschwert es Therapeuten ihre eigenen Eindrücke ordentlich aufzuarbeiten. Wer in ständiger Angst leben muss wegen seiner Aussagen über mögliche Erklärungen für die vorhandenen Gedächtnisinhalte als Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden, ist maximal davon entfernt eben jene Gedächtnisinhalte würdevoll aufzuarbeiten.

Leonard Brauch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo,</p>
<p>aus der Lügendetektorforschung kenne ich die psychologischen Hintergründe der Entstehung und auch aktiven Einpflanzung falscher Erinnerungen. Um die Lügendetektoren zu testen ist das nämlich ein Weg. Da wird dann mit der Autorität des Wissenschaftlers etwas falsches suggeriert, etc..</p>
<p>Die Gedächtnisdynamiken in erheblich herausfordernden Situationen, wie jene die zu dauerhaften Anfälligkeiten für Dissoziationen und ähnliches führen, sind sehr anfällig für verfälschende Einflüsse. Deswegen werden bspw. Zeugen so früh wie möglich systematische Interviews abverlangt, welche alle möglichen Details sammeln, um sie im Gedächtnis möglichst genau zu konsolidieren.</p>
<p>Betroffene Individuen betätigen sich auch selbst an den Verzerrungen. Unser Gedächtnis ist nicht gebaut, um so exakt wie möglich zu erinnern sondern so relevant wie möglich. Durch die automatischen Stabilisierungsmechanismen des Selbst kommt es deswegen innerhalb der ersten Wochen und Monate der persönlichen Entwicklung nach dem einschneidenden Erlebnis zu Verdrängung, Verzerrung, etc.. Narrative werden gebildet, um unerklärliches verständlich zu machen, und diese manifestieren sich als eingeübte Go-to-Gedächtnisse, wenn die Trigger auftauchen. Das kann dysfunktional und selbst belastend sein.</p>
<p>Was in der ganzen Diskussion um Michaela Huber und die therapeutische Herangehensweise an Menschen mit diesen Problemen auf der Seite der Skeptiker fehlt, ist eine dezidierte Auseinandersetzung mit der psychologischen Grundlage der Gedächtnisprozesse sowie der klinischen Arbeit mit den Patienten durch Therapeuten, Sozialarbeiter, etc..</p>
<p>Es ist sehr wohl möglich für Betroffene zwischen mehr klaren und weniger klaren Gedächtnisepisoden zu unterscheiden. Es ist auch möglich die Gedächtnisschwierigkeiten im therapeutischen Prozess zu thematisieren und ein besser stützendes Narrativ zu entwickeln. Wenn bspw. an Missbrauchsfälle aus Familiensysteme gedacht wird, dann spielt dabei bspw. auch eine Rolle, dass Betroffene die Täter schützen, um ihre existentielle Lebensgrundlage aufrechtzuerhalten. Darüberhinaus kommt es zu aktiven Versuchen der Täter die Opfer in ihren Reaktionen zu beeinflussen. Das führt auch zu Gedächtnisverfälschungen. Innerhalb von toxischen Beziehungskonstellationen wird das geläufig auch als Gaslighting beschrieben.</p>
<p>Die Sendung von Böhmermann genauso wie die gängige Skeptikerbehauptung einer Verschwörungstheorie differenziert hier nicht ausreichend über die schwierige Ausgangslage der Situationen, in denen sich das Gedächtnis zu den Ereignissen bildet und wie diese Prozesse durch verschiedenste Akteure und Aspekte beeinflusst wird. Es wird auch viel zu wenig repliziert, was die klinische Forschung für die therapeutische Praxis dazu bereithält.</p>
<p>Es ist und bleibt ein Dunkelfeld, das viele, viele verschiedene Fälle umfasst. Michaela Huber und den meisten der Therapeuten, Berater, etc. zu unterstellen hier nicht mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und sogar falsche Erinnerungen entlang eines einzelnes Narrativs zu produzieren entbehrt allein schon deswegen jeglicher faktischer Grundlage. Auch aus einer moralischen Perspektive ist der Beitrag nicht diskussionsfördernd sondern diskussionshemmend, weil er Betroffenen wie Therapeuten eklatant grundsätzliche Freiheiten absprechen will, wie das selbst zu entscheiden, wie mit den schwierigen Erfahrungen umzugehen ist bzw. welche therapeutische Maßnahme sinnvoll vorzuschlagen ist. Das ist keine Grundlage einer respektvollen Diskussion auf Augenhöhe, wie es insbesondere Betroffene dieser schwierigen Gedächtnissituationen erwarten dürfen.</p>
<p>Darüberhinaus schafft der Beitrag ein gesellschafltiches Klima der Verneinung der Betroffenenerfahrungen. Im Beispiel der Familiensysteme freut sich jede Täter darüber den Betroffenen aufgrund Böhmermanns Beitrag Glaubwürdigkeit abzusprechen. &#8222;Hat ihr der Therapeut eingeredet.&#8220; &#8222;Das ist, weil sie eh so wirr ist.&#8220; Das ist ungeheuerlich.</p>
<p>Sicherlich gibt es Menschen, die an eine globale satanische Verschwörung glauben und darunter sind mit Sicherheit auch Therapeuten und Betroffene. Ohne eine Studie über die tatsächliche Häufigkeit bestimmter Meinungen lässt sich keine abschließende Aussage darüber treffen, ob die von den Skeptikern behauptete Verschwörungstheorie tatsächlich soweit verbreitet ist. Michaela Huber hat in ihren Veröffentlichungen und Interviews immer sehr differenziert aufgegliedert, wie Ihre Meinung zu dieser schwierigen Fakten- und Erfahrungslage aussieht, und daraus lässt sich kein Glauben an eine satanische Weltverschwörung ableiten.</p>
<p>Meiner Meinung nach grenzt das an Verleumdung oder Rufmord.</p>
<p>Auch auf dieser Webseite sehe ich keine ausreichende Differenzierung des etablierten Wissens- und Praxisstands. Ich würde stark davon abraten sich aus der Liga der Skeptiker Anerkennung zu holen und zu wünschen, da sie wiederholt unwissenschaftlich und nicht faktenorientiert auftreten. Es wird hier ja sogar ohne jegliche systematische Erfassung eine satanic panic in Deutschland behauptet. Auch wissenschaftstheoretisch ist die Skeptiker-Überzeugen, das der aktuelle Wissensstand das endgültige Maß aller Dinge in diesem Problembereich darstellt, nicht logisch zu halten, denn die Faktenbasis ist einfach nicht gegeben, um hier irgendwelchen strengen Schlussfolgerungen wie die einer weitverbreiteten satanischen Weltverschwörung oder der Verschwörungstheorie darüber zu tätigen.</p>
<p>In diesem Sinne ist aus einer wissenschaftlichen und auch demokratischen Perspektive die Skeptikermeinung nicht weniger extrem und hinderlich für die Aufarbeitung als die Verschwörungstheorie selbst.</p>
<p>Es gibt millionfaches Videomaterial von polizeilich nicht aufgeklärten Missbrauchsstraftaten, die durch Symbolverwendungen rituelle Anscheine haben. Seit den 90ern ist bekannt, dass es nicht wenige Kult- und Sektenstrukturen gibt, welche das Potential solcher Missbrauchsaktivitäten bieten und der Auftrag der weiteren Erforschung wird weiterverfolgt. In der Ermittlungsarbeit überschneidet sich das logischerweise mit der Aufklärung von Menschenhandel.</p>
<p>Ich kann deswegen nur davon abraten weiter eine weitverbreite Existenz der stanic panic zu behaupten. Das hilft nicht. Das stört nur. Der Hinweis darauf auch an die klinischen Praktiker wirklich sehr vorsichtig vorzugehen, kann demgegenüber nicht genug ausgesprochen werden. Besser wäre es hier die Supervisionsgruppen ins Visier zu nehmen und dort die Thematik der Vulnerabilitäten von Gedächtnisstrukturen häufiger zu aktivieren.</p>
<p>Falls es tatsächlich eine satanische Weltverschwörung gibt, was sehr unwahrscheinlich ist, hilft es auch nicht dabei das aufzuklären, die Möglichkeit deren Existenz generell abzusprechen. Die Bedingungen der Möglichkeit sind da. Viel eher aber, und das sagt auch Michaela Huber selbst, handelt es sich, wenn es wirklich rituelle Gewalt ist, um bizarre Auswüchse bereits bizarrer Gruppierungen wie eben die organisierte Kriminalität oder esoterisch-okkulte Glaubenssysteme.</p>
<p>Also ein drittes Mal der dringende Hinweis sich von dieser Herangehensweise an die schwierige Thematik abzuwenden und dem behutsamen, achtsamen Dialog und Diskurs Raum zu geben. Böhmermanns Sendung macht die Hilfe für Betroffene schwieriger, macht die Hürden offen zu reden für Betroffene größer, erschwert es Therapeuten ihre eigenen Eindrücke ordentlich aufzuarbeiten. Wer in ständiger Angst leben muss wegen seiner Aussagen über mögliche Erklärungen für die vorhandenen Gedächtnisinhalte als Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden, ist maximal davon entfernt eben jene Gedächtnisinhalte würdevoll aufzuarbeiten.</p>
<p>Leonard Brauch</p>
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